Sonntag, 24. Januar 2016

Amalthea von Neal Stephenson

Amalthea von Neal Stephenson



Seiten: 1056
Verlag: Manhattan
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442547628
Amazon: Amazon.de










Rating: 4/10

Inhalt:

Der Mond explodierte ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund. Die Uhrzeit würde man später als A+0.0.0 oder schlicht Null bezeichnen …

05:03:12 Weltzeit. Die Stunde Null. Nach der Explosion des Mondes wütet über Jahrtausende ein Meteoritensturm, der die Erdoberfläche in eine unbewohnbare Wüstenei verwandelt. Um die Menschheit vor der Auslöschung zu bewahren, schickten die Nationen der Erde eine Flotte von Archen ins All. Der Asteroid Amalthea, der ursprünglich zu Forschungszwecken an eine internationale Raumstation angedockt worden war, soll der Kolonie als Schutzschild dienen. Doch das Leben im Weltraum fordert einen hohen Tribut, und die meisten Menschen sterben, bis schließlich nur noch sieben Frauen übrig sind, um eine neue Zivilisation zu begründen. 5000 Jahre später existieren zwei Völker: die Nachfahren derer, die die Katastrophe auf der Erde überlebt haben, sind primitive Siedler; die sieben Stämme der Nachkommen der Sieben Urmütter von der Raumstation hingegen hochkultiviert ― und sie machen sich auf, die Erde zu kolonialisieren …

Review:

Die Prämisse von Amalthea ist, dass der Mond aus einer unbekannten Ursache auseinanderbricht und durch eine anschließende Kettenreaktion zu immer kleineren Teilen zerbricht. Die Menschheit hat nun zwei Jahre Zeit ihr Überleben zu gewährleisten, bevor die Erdoberfläche für ca. 5000 Jahre unbewohnbar wird. Man entscheidet sich dazu, in diesem Zeitraum so viele Menschen wie möglich ins Weltall zu befördern und diese in einem riesigen Archenverbund vor der Auslöschung zu bewahren.
An sich eine sehr vielversprechende Ausgangslage, um eine gute Geschichte zu erzählen. Teil I und II, die in dieser Anfangsphase spielen, sind auch gut gelungen. Es erfordert allerdings eine starke willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit an einigen Stellen. So ruhig wie sich die Menschheit angesichts des bevorstehenden Holocausts verhalten hat, war für mich einfach zu unglaubwürdig. Wie würde man selber leben, wenn man weiß, dass man selbst und jeder den man kennt in zwei Jahren sterben wird? Für mich zu einfach gelöst von Stephenson. Ich würde mehr das Verhalten von Venezuela erwarten.
Es dauert auch sehr lange, bis alle Charaktere etabliert sind, erst zur Hälfte des Buches kommt diese Handlungsebene so richtig in Fahrt, mit einer gut hassbaren Antagonistin.
Ein Wort noch zu den Charakteren allgemein. Entweder ein kleiner Gag von Stephenson, oder Faulheit ich weiß es nicht, aber alle Charaktere kann man parallel setzen zu heutigen Persöhnlichkeiten. So hat Doub viel Ähnlichkeit mit Neil deGrasse Tyson, Sean Probst zu Ellon Musk, JBF ein Mix aus Hillary Clinton und Sarah Palin, Camila zu Malala ...
Wie gesagt gefiel mir die Story bis zu Teil II recht gut, doch dann im nächsten Teil, der 5000 Jahre später spielt, war es vorbei für mich. Was Stephenson sich da erdacht hat, war einfach zu abstrus und unrealistisch für mich. Es wirkte so als wüsste der Autor selber nicht ganz, womit er Enden wollte.
In riesigen,langweiligen Infodumps wird uns gezeigt, was alles in dieser Zeit passiert ist und was für coole Ideen Stephenson noch hatte.
 Ich muss an dieser Stelle einfach einmal Spoilern, weil mich dieser Teil so aufgeregt hat. Nachdem er also einen riesigen Teil auf genaueste Weise sich mit dem Überleben der Menschheit im All auseinandergesetzt hat und all ihren Schwierigkeiten, kommt er einfach, quasi in einem Nebensatz, daher und zeigt, dass die Menschen auch in einer "Bunkeranlage" für 5000!!! Jahre Überlebt haben. So nebenbei dann auch noch unter Wasser. So viel Gedanken in das Hauptszenario geflossen sind, so wenige flossen in diesen Teil. Hugh Howey hat in Silo schon einmal gezeigt wie schwierig ein solches Szenario für eine viel kürzere Zeit wahrscheinlich ist.
Fazit:
Eine gutes (post)apokalyptisches Zukunftsszenario, dass man allerdings nach zwei Dritteln lieber beenden sollte.


Freitag, 22. Januar 2016

Der Wüstenplanet von Frank Herbert

Der Wüstenplanet von Frank Herbert



Seiten: 800
Verlag: Heyne
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453317173
Amazon: Amazon.de








Rating: 10/10


Inhalt:

Der erfolgreichste Science-Fiction-Roman aller Zeiten - jetzt neu übersetzt

Tausende von Jahren in der Zukunft und eine fantastische Welt: Arrakis, der Wüstenplanet. Einzigartig, herrlich – und grausam. Und doch haben es die Menschen geschafft, sich dieser lebensfeindlichen Umwelt anzupassen ... Vor fünfzig Jahren erschien Frank Herberts Roman Der Wüstenplanet – ein Datum, das den Beginn einer großartigen Erfolgsgeschichte markiert: Der Wüstenplanet wurde zum weltweiten Bestseller und von David Lynch spektakulär verfilmt. Heute gilt das Buch als Meilenstein der Zukunftsliteratur – ein monumentales Epos, das jede Generation von Leserinnen und Lesern neu für sich entdeckt.

Review:

Das Science-Fiction Epos Dune ist jetzt in einer Neuübersetzung bei Heyne erschienen und ich konnte mir ein Rezensionsexemplar sichern. Dune muss man als echter Science-Fiction Fan einfach gelesen haben. Großartige Story, mit sehr interessanten politischen und (pseudo)religiösen Handlungssträngen. Besonders hat mir gefallen wie Herbert mit der Fähigkeit einiger Charaktere umgegangen ist in die Zukunft zu blicken, was oftmals bei anderen Autor misslingt. Ursprünglich erschienen 1965 ist es lustiger Weise, gerade in der heutigen Zeit sehr aktuell. Als Schauplatz der von Saudi-Arabien angehauchte Wüstenplanet Arrakis, mit der religiösen Ideologie des Islam. Das von allen begehrte Spice (Erdöl). Ich kann diesen Klassiker wirklich wärmstens empfehlen. Die Neuübersetzung ist sehr gelungen und die beigefügten Farbtafeln von John Schoenherr sowie das schlicht gehaltene Cover machen dieses Buch auch optisch zu einem Genuss. 

Donnerstag, 21. Januar 2016

Schwert des Nordens von Luke Scull

Schwert des Nordens von Luke Scull



Seiten: 688
Verlag: Heyne
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453315014
Amazon: Amazon.de














Rating: 7/10

Inhalt:

Einst herrschten die Götter über die Welt und die Menschen – bis sich eine Gruppe Magier zusammenschloss, um die Macht an sich zu reißen. Die Götter fielen, die Welt versank in den Schatten. Und auch die Rebellion des Assassinen Davarus Cole und seiner Verbündeten ist gescheitert: Seine einstigen Gefährten sind entweder tot oder wurden in die Verbannung geschickt. Doch in den Schatten regt sich ein neuer Feind – mächtig und unsterblich, und plötzlich werden die Karten um das Schicksal der Menschheit neu gemischt und Feinde zu Verbündeten.

Review:

Mit „Schwert des Nordens“ liefert Luke Scull ein ähnlich gutes Werk von Grimdark Fantasy wie in seinem ersten Buch "Schattenkrieger". Leider war es schon einige Zeit her, dass ich den ersten Teil gelesen habe und somit fiel es mir etwas schwer, mich an das Ende des ersten Teiles zu erinnern. Das ist aber gerade hier ausschlaggebend. Viele Handlungsstränge bauen auf diese Endhandlung auf, die starke Auswirkungen auf die Charaktere hat.
Diese sind nun in alle Winde zerstreut und auf ihren eignen Wegen unterwegs. Brodar and Jerek befinden sich auf dem Weg Richtung Norden, nachdem Brodar die Wahreheit über seine Familie erfahren hat. Der Möchtegern-Held Davarus Cole wacht in einem Arbeitslager auf, mit viel weniger Selbstvertrauen als noch zuvor. Sasha, wieder vereint mit ihrer Schwester Ambryl, verfällt wieder in ihre Drogensucht und beide müssen feststellen, dass die Weiße Lady nicht die erhoffte Erlöserin ist. Und zu guter Letzt noch der Halbmagier Eremul der seinen Nachforschungen nach den Fade weiterführt.
Ähnlich wie im ersten Teil sind diese Charaktere wieder sehr gut geschrieben, jede Figur mit allzu menschlichen Makeln behaftet, die jedoch oftmals durch eine andere Tugend wieder ausgeglichen werden. Jedoch verlangt die große Anzahl an Personen, dass man einiges an Zeit investieren muss, um einen halbwegs guten Lesefluss zu bekommen. Ich habe selber gemerkt, dass die Geschichte unübersichtlich und lang wird, wenn man nur ein oder zwei Kapitel ließt. Schafft man aber einmal einen ganzen Brocken, zeigt sich wie gut Scull aus der Sicht dieser vollkommen unterschiedlichen Charaktere schreiben kann.
Besonders tief in die Charakterentwicklung geht er dabei auf Brodar Kayne ein, dessen Lebensgeschichte in kurzen Flashbacks erzählt wird.
Typischer Grimdarkmanier fehlen natürlich auch keine blutig, detaillierten Kampf- und Folterszenen, mit einer nicht jugendfreien Sprache J Dabei schafft es Luce Scull allerdings, mit gewitzten Dialogen die Stimmung etwas zu erheitern und die doch sehr depressiv wirkende Welt etwas aufzulockern und für den ein oder anderen Lacher zu sorgen.

Fazit:
Großartige Grimdark Fantasy, die ich jedem empfehlen kann der Joe Abercrombie, Mark Lawrence und Sebastien de Castell mag.

Sonntag, 17. Januar 2016

Sterben von Karl Ove Knausgård

Sterben von Karl Ove Knausgård



Seiten: 576
Verlag: btb
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442745195
Amazon: Amazon.de








KURZBESCHREIBUNG

Rating: 7/10

Inhalt:

Als Knausgård sich mit seinem Bruder daran macht, den Nachlass ihres verstorbenen Vaters zu ordnen, bietet sich beiden ein Bild des Grauens. Während sie das Haus reinigen und die Beerdigung vorbereiten, kommen Erinnerungen hoch. So sehr hat dieser Vater einen Schatten auf das Leben der Brüder geworfen, dass sie den Bestatter bitten, die Leiche sehen zu dürfen. Erst dann, so sind sich beide einig, werden sie glauben können, dass er wirklich tot ist. Der Sog, der von Knausgårds direkter Art des Erzählens schon mit den ersten Sätzen ausgeht, macht seinen Roman zu einer faszinierenden und erschütternden Lektüre. Gerade weil er so radikal persönlich schreibt, gewinnt sein Text eine schmerzliche Allgemeingültigkeit. Selten ist in einem Stück Literatur so greif- und fühlbar geworden, was jeder Mensch ist: ein einmaliger und unerschöpflicher innerer Kosmos.

Review:

Die Bücher von Karl Ove Knausgård werden überall auf das Höchste gelobt und ich dachte mir, dass ich die "Min kamp" Reihe jetzt doch auch einmal ausprobieren muss, da es auch etwas vollkommen anderes ist, als was ich sonst lese.
Und ich muss sagen ich bin wirklich positiv überrascht worden. Ein Leseerlebnis wie in noch keinem anderen Buch zuvor. 
Die Art und Weise wie Knausgård schreibt ist einfach faszinierend und zieht einen förmlich in seinen Gedankenstrom. Wir haben keine gradlinige Erzählung, oftmals springt man von einem Erinnerungshandlungsstrang zu einer anderen Erinnerung und wieder zurück. Das war erst schwer sich drauf einzustellen, lässt man sich aber auf diese Erzählweise erst einmal ein, entsteht eine großartige Geschichte, die so unglaublich ehrlich ist. Knausgard kennt keinen Scharm und beschreibt jede Emotion bis ins kleinste Detail und ist dabei so nachvollziehbar geschrieben, dass man sich gut in seinen Leben hineinversetzen kann. Selenstriptease vom feinsten.


Ein literarisch fantastisches Werk, das das ganze Lob den es von Kritikern bisher erhalten hat, wirklich verdient.