Samstag, 30. November 2024

Luna von Phillip P. Peterson

Luna von Phillip P. Peterson



Seiten: 416
Verlag: FISCHER Tor
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596708931
Amazon: Amazon.de








"Peterson begeistert mit Wissenschaft und Spannung, doch die Menschlichkeit bleibt auf halber Strecke zum Mond zurück."

Rating: 6/10


Inhalt:

Ein Flug zum Mond – dank milliardenschwerer Investitionen der Firma FrontierTech ist das nun auch für Privatpersonen machbar. Die Lehrerin Luna Patel ist eine der ersten begeisterten Mond-Touristinnen. Das Ziel ihrer Landefähre ist eine kleine Station im Tal Taurus-Litrow. Doch als es zu einer Triebwerk-Fehlfunktion mit anschließender Bruchlandung kommt, verwandelt sich der Traum in einen Alptraum. Als einzige Überlebende gelingt es ihr, sich aus dem Wrack zu befreien und sich in die nahe Mondstation von FrontierTech zu retten. Sie kann zwar Kontakt mit der Erde aufnehmen, aber Sauerstoff und Wasser sind knapp. Es beginnt eine dramatische Rettungsaktion, in deren Verlauf es zu internationalen Verwicklungen auf höchster Ebene kommt.

Review:

Phillip P. Petersons Luna präsentiert sich als fesselnder Wissenschaftsthriller, der sich anschickt, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion gekonnt zu verwischen. Die Ausgangssituation ist simpel und doch elektrisierend: Ein kommerzieller Flug zum Mond endet in einer Katastrophe, und die einzige Überlebende, die Lehrerin Luna Patel, muss auf eine karge Mondstation flüchten, während auf der Erde eine fieberhafte Rettungsaktion in Gang gesetzt wird. Doch der Roman ist weit mehr als ein bloßes "Survival-Abenteuer". Peterson entfaltet hier ein vielschichtiges Narrativ, das technische Expertise und dramaturgische Spannung miteinander verwebt.

Es ist unübersehbar, dass Petersons Wurzeln in der Luft- und Raumfahrttechnik liegen. Die präzisen und fundierten Beschreibungen von Triebwerken, Flugmanövern und den organisatorischen Herausforderungen der Raumfahrt verleihen dem Buch ein beeindruckendes Maß an Authentizität. Der Leser fühlt sich nicht nur unterhalten, sondern regelrecht belehrt – auf die bestmögliche Weise. Hier zeigt sich Petersons Stärke: Er erklärt Komplexes, ohne dass es ermüdet. Doch diese Präzision ist nicht nur Selbstzweck, sondern trägt wesentlich zur Spannung bei, da sie die Bedrohlichkeit von Lunas Situation greifbar macht.

Die Handlung ist schnörkellos, effizient und dynamisch erzählt. Peterson verzichtet auf lange Einleitungen und wirft den Leser unmittelbar ins Geschehen. Dabei erzählt er aus verschiedenen Perspektiven, die sich nahtlos ergänzen. Besonders hervorzuheben ist die Ingenieurin Charlie, deren Ermittlungen zur Absturzursache zwischen technischer Präzision und persönlichem Drama oszillieren. Doch gerade in dieser Multiperspektivität liegt auch eine Schwäche des Buches: Die Titelfigur Luna, um deren Schicksal sich alles dreht, bleibt erstaunlich blass. Sie ist weniger ein Charakter als ein erzählerisches Vehikel, eine Projektionsfläche für die Ereignisse auf der Erde. Dass eine Lehrerin den Mut und die Bereitschaft aufbringt, ins All zu fliegen, ist an sich faszinierend. Doch Luna wird im Verlauf des Romans so sehr auf ihre Hilflosigkeit reduziert, dass sie eher wie ein dramaturgischer Notnagel wirkt, um die eigentlichen Protagonisten – die Ingenieure, Raumfahrtbehörden und Rettungsteams – ins Zentrum zu rücken. Eine verpasste Chance, denn gerade Lunas psychische Belastung hätte ein erzählerisches Gegengewicht zur technischen Präzision des Romans bilden können.

Vergleiche mit Andy Weirs Der Marsianer sind in vielerlei Hinsicht irreführend. Peterson setzt weniger auf Humor oder emotionale Tiefe, sondern auf eine fast dokumentarische Darstellung der Geschehnisse. Das ist durchaus legitim und gibt Luna eine eigene Tonalität, doch der fehlende menschliche Tiefgang wird besonders dann deutlich, wenn sich der Leser mehr als bloß Spannung wünscht. Die Dialoge sind funktional, doch oft steif und klischeehaft, was in den zwischenmenschlichen Beziehungen besonders negativ auffällt. Petersons Figuren scheinen weniger durch innere Motivationen getrieben als durch den mechanischen Bedarf der Handlung.

Trotzdem: Was Luna an emotionaler Tiefe vermissen lässt, macht der Roman durch seine realitätsnahe Vision wett. Petersons Mond ist kein ferner Science-Fiction-Traum, sondern ein potenzieller Schauplatz für die Raumfahrt der nahen Zukunft. Dabei wagt er auch die philosophische Frage, wie weit wir als Gesellschaft gehen würden, um ein einzelnes Menschenleben zu retten. Der Optimismus, den Peterson hier vermittelt, mag romantisch sein, doch er verleiht dem Buch eine gewisse moralische Wärme.

Peterson ist ohne Zweifel ein Meister der Hard Science Fiction, und Luna demonstriert diese Stärke eindrucksvoll. Es ist ein Buch, das seine Leser mit technischer Präzision fesselt und dabei immer wieder die Spannungsschraube anzieht. Doch der Preis dafür ist eine gewisse Kälte im menschlichen Drama, die verhindert, dass das Buch die emotionale Wucht anderer Werke des Genres erreicht. Wer eine Reise zum Mond unternehmen möchte, bei der Spannung und technische Details die Hauptrolle spielen, wird von Luna bestens unterhalten. Wer jedoch auf tiefere Charakterstudien hofft, wird sich vielleicht fragen, ob der Weg dorthin nicht mit ein wenig mehr Herz hätte gepflastert sein können. Fazit: Ein gelungener Thriller, aber kein großer Wurf.

Mittwoch, 27. November 2024

Proxi. Eine Endzeit-Utopie von Aiki Mira

Proxi. Eine Endzeit-Utopie von Aiki Mira



Seiten: 336
Verlag: FISCHER Tor
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596709784
Amazon: Amazon.de









Rating: 6/10


Inhalt:

Postapokalyptischer Hopepunk von einem Shooting-Star der deutschsprachigen Science Fiction. Proxi ist eine virtuelle Realität, die ein zweites Leben mit neuen Identitäten ermöglicht. Als ein Virusangriff diese Realität zerstört, ist das für viele ein Weltuntergang: Teile ihres Lebens, ihres Selbst sind für immer ausgelöscht. Die Transfrau Monae, die E-Sportlerin Kawi und Dion, eine KI im Biosynth-Körper wollen ihre verlorene Welt zurück. Zusammen begeben sie sich auf die Suche nach der versteckten Sicherheitskopie von Proxi. Ein Roadtrip durch eine von Klimakrise und Biohacking veränderte Landschaft beginnt. Schnell wird klar: Die drei sind aufeinander angewiesen. Um zu überleben und ihr Ziel zu erreichen, müssen sie einander vertrauen - doch nicht alle verfolgen das gleiche Ziel … „Das, was mich faszinierte, war die Schreibe selbst - diese präzise Art zu beobachten, die Sicherheit bei der Wortwahl, die Musikalität der Sätze. Derlei finde ich selten. Ich fühlte mich an William Gibson erinnert, nur, sagen wir mal, frischer, moderner.“ Andreas Eschbach über Neongrau

Review:

„Proxi“ von Aiki Mira ist zweifellos ein ambitioniertes Werk, das sowohl inhaltlich als auch sprachlich neue Wege beschreitet. Doch nicht jede dieser Richtungen erweist sich als Glücksgriff. Während die postapokalyptische Prämisse und der futuristische Stil vielversprechend klingen, bleibt das Gesamtbild oft fragmentarisch und lässt eine klare Struktur vermissen. Am Ende bleibt ein zwiespältiges Leseerlebnis, das interessante Ansätze präsentiert, aber nicht vollständig überzeugen kann.

Die Ausgangssituation des Romans – drei Charaktere, die in einer dystopischen Welt unterwegs sind, um eine verlorene virtuelle Realität zurückzugewinnen – ist spannend und birgt großes Potenzial. Monae, die Transfrau, Kawi, die E-Sportlerin, und Dion, die KI im Biosynth-Körper, bieten ein unkonventionelles Trio, das interessante philosophische Fragen über Identität und Menschlichkeit aufwirft. Ihre individuellen Geschichten und Motivationen könnten faszinierende Konflikte und eine tiefgehende Entwicklung schaffen. Leider wird dieses Potenzial nur teilweise ausgeschöpft. Die Charaktere wirken gelegentlich distanziert und bleiben für den Leser schwer zugänglich.

Stilistisch geht Aiki Mira mutige Wege, doch diese Wahl wirkt stellenweise überladen. Der Roman ist gespickt mit Neologismen und futuristischen Begriffen, die zwar helfen, die dystopische Welt von „Proxi“ atmosphärisch einzufangen, aber den Lesefluss stark beeinträchtigen können. Man wird als Leser oft aus dem Erzählfluss gerissen und muss immer wieder innehalten, um den Sinn und die Bedeutung dieser Sprache zu entschlüsseln. Die durchgehende Nutzung dieses Stilmittels zieht sich über die gesamte Handlung und führt dazu, dass das Lesen teilweise mühsam wird. Ein Glossar oder wenigstens eine kurze Einführung in einige der wichtigsten Begriffe hätte hier sicherlich geholfen.

Was die Handlung betrifft, so bewegt sich die Geschichte in einem eher langsamen Tempo. Der Roadtrip der drei Hauptfiguren durch die von Klimawandel und Verfall geprägte Landschaft wirkt zwar visuell eindrucksvoll, verliert sich jedoch häufig in Nebensächlichkeiten, ohne dass sich die Handlung wirklich weiterentwickelt. Der Aufbau der Erzählung bleibt vage und führt dazu, dass man sich als Leser oft fragt, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Die Spannungskurve flacht ab, und obwohl interessante Ideen zu Klima- und Technologiefragen angerissen werden, fehlt es an erzählerischer Konsequenz, die diese Ansätze zusammenführen würde.

Dennoch gibt es einige Momente, die beeindrucken. Miras Darstellung einer Welt am Abgrund, in der der Menschheit nur noch die Flucht in virtuelle Realitäten bleibt, ist eindringlich und bietet Stoff zum Nachdenken. Auch die Themen Identität und Zusammengehörigkeit sind durch die ungewöhnliche Charakterkonstellation gut umgesetzt. Gerade die KI Dion bringt einen Hauch philosophischer Tiefe in die Geschichte, was die Interaktionen zwischen den Figuren an manchen Stellen spannender macht. Doch auch hier hätte ich mir mehr Tiefgang und einen stärkeren Fokus auf die persönliche Entwicklung gewünscht.

Fazit: „Proxi“ ist ein Buch, das ambitioniert und stilistisch mutig auftritt, jedoch nicht für jeden Leser geeignet ist. Die sprachliche Eigenwilligkeit und die unübersichtliche Handlung sorgen dafür, dass der Roman schwer zugänglich bleibt. Wer die Geduld aufbringt und bereit ist, sich auf Miras ungewöhnliche Erzählweise einzulassen, findet vereinzelt interessante Ansätze und einige atmosphärische Szenen. Insgesamt bleibt „Proxi“ jedoch eher mittelmäßig und hinter seinem Potenzial zurück – ein Leseerlebnis, das man einmal versucht, aber nicht unbedingt wiederholen muss.

Samstag, 23. November 2024

Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg

Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg



Seiten: 704
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10:363087777X

Amazon: Amazon.de








"Ein Historienroman voller Ambitionen – und Ablenkungen"

Rating: 6/10


Inhalt:

Leipzig/Sachsen, im Jahre 1681: die fünfzehnjährige Anna Voigt steht vor Gericht, sie soll ihr neugeborenes Baby getötet haben. Die Obrigkeit will sie verurteilt sehen, es droht ihr der Tod - wie vielen anderen Mädchen und Frauen in dieser Zeit, die des gleichen Verbrechens bezichtigt werden. Aber dieser Fall ist anders: Sie hat nicht nur einen mächtigen Vater, der sich für sie einsetzt. Sondern es findet sich auch ein Arzt, der etwas spektakulär Neues wagt und ein wissenschaftliches Verfahren entwickelt, das in die Medizingeschichte als "Lungenschwimmprobe" eingehen wird. Durch dieses soll nachgewiesen werden, dass es tatsächlich eine Totgeburt war, wie Anna hartnäckig versichert, und kein Mord. Kann sie gerettet werden? In Renbergs brillantem historischen Roman folgen wir dieser Geschichte durch die Augen verschiedener, unverwechselbarer, historisch belegter Charaktere – da ist der Arzt, der sich der Wissenschaft verpflichtet fühlt und das Neugeborene untersucht; da ist der kontroverse und progressive Anwalt, der sich entscheidet, diesen nahezu aussichtslosen Fall zu übernehmen; und da ist Annas Vater, ein wohlhabender, einflußreicher Mann, der sich sofort auf die Seite seiner jungen Tochter schlägt und alles daran setzt, damit ihr Gerechtigkeit widerfährt, dessen Hass auf ihre Widersacher so groß ist, dass er sich schon bald auf einen unerbittlichen Rachefeldzug begibt. Demgegenüber stehen die Köchin aus seinem Haushalt, die gegen Anna aussagt - und vor allem der erbarmungslose Ankläger, der das Mädchen durch grausame Folter zum Geständnis bringen will. Inmitten all dessen befindet sich die blutjunge Anna, verzweifelt und verängstigt, aber standhaft in ihrem Beharren darauf, unschuldig zu sein. Die Lungenschwimmprobe ist ein packender historischer Roman über das Zusammenprallen zweier Welten: die Ausläufer des Mittelalters treffen auf die ersten Ansätze der frühen Aufklärung, dies alles vor dem dramatischen Hintergrund einer barocken Lebenswelt - basierend auf wahren Begebenheiten, die der Autor akribisch recherchiert hat, die Lungenschwimmprobe selbst gilt als Beginn der modernen Rechtsmedizin.

Review:

Tore Renbergs "Die Lungenschwimmprobe" ist einer dieser Romane, die sich auf der Grenze zwischen Genie und Überforderung bewegen. Ein Historienepos, das sich mit nichts Geringerem beschäftigt als der Frage nach Gerechtigkeit, Wahrheit und der systematischen Unterdrückung von Frauen – und dabei mit einer solchen Detailfülle und stilistischen Experimentierfreude aufwartet, dass man sich manchmal fragt, ob weniger nicht doch mehr gewesen wäre.

Im Mittelpunkt steht Anna Voigt, eine 15-Jährige, die im Leipzig des 17. Jahrhunderts beschuldigt wird, ihr neugeborenes Kind ermordet zu haben. Was für ein Aufhänger! Renberg schafft es, mit beeindruckender Präzision eine düstere Epoche zum Leben zu erwecken: den Nachklang des Dreißigjährigen Krieges, die Verwüstungen von Pest und Hunger und die erbarmungslose Härte eines patriarchalischen Rechtssystems. Dass Frauen in dieser Zeit wenig mehr waren als rechtlose Körper in den Händen einer männerdominierten Gesellschaft, wird hier mit brutaler Klarheit vor Augen geführt. Und doch: So kraftvoll diese zentrale Geschichte auch ist, sie wird immer wieder von einem Übermaß an erzählerischen und stilistischen Umwegen unterbrochen.

Renberg jongliert mit verschiedenen Perspektiven, Genres und Erzählformen: Briefe, Lieder, historische Berichte – sogar der Autor selbst tritt als Erzähler in Erscheinung. Das kann brillant wirken, wenn es dem Verständnis der Geschichte dient, oder aber prätentiös, wenn es vor allem nach „Seht her, wie viel ich recherchiert habe!“ schreit. Und genau hier liegt das Problem: Die Lungenschwimmprobe, die titelgebende Untersuchung, gerät ebenso wie Anna selbst immer wieder in den Hintergrund, während Renberg sich in Exkursen über juristische Details, die Lebensgeschichten von Nebenfiguren und, ja, auch in Betrachtungen über vegane Ernährung während der Pandemie verliert. Solche Einwürfe mögen für den Autor tiefsinnig sein, sie wirken auf den Leser jedoch oft wie absichtslose Stolpersteine im Lesefluss.

Doch man muss Renberg zugutehalten: Wenn er sich auf die eigentliche Geschichte konzentriert, ist "Die Lungenschwimmprobe" ein fesselndes Werk. Besonders stark ist die Darstellung von Christian Thomasius, einem Juristen, der mit den moralischen und intellektuellen Herausforderungen seiner Zeit ringt. Thomasius, ein Mann zwischen Aufklärung und Rückständigkeit, ist eine der vielschichtigsten Figuren des Romans und steht exemplarisch für den Übergang von mittelalterlichen Denkmustern zur Moderne.

Anna hingegen bleibt mehr Symbol als Charakter: ein Opfer, das für die Sünden der Gesellschaft büßt. Ihre zarte Menschlichkeit blitzt in Tagträumen und kleinen Momenten auf, doch Renberg lässt sie oft zu passiv, zu entrückt wirken. Das mag historisch korrekt sein, doch es raubt der Geschichte die emotionale Wucht, die sie verdient hätte.

Ein Fazit, das so ambivalent ist wie das Buch selbst:

Ist "Die Lungenschwimmprobe" ein schlechter Roman? Bei weitem nicht. Renberg beweist, dass er ein Meister des historischen Romans ist, wenn er die Intrigen, den Machthunger und die tief verwurzelte Bigotterie des 17. Jahrhunderts seziert. Doch er macht es seinen Lesern schwer, indem er sich zu oft in seiner eigenen Brillanz verliert. Vielleicht hätte er einen gnadenlosen Lektor gebraucht, der ihm den Mut zur Kürzung abverlangt.

Letztlich ist "Die Lungenschwimmprobe" wie eine barocke Kathedrale: grandios, kunstvoll, überladen. Für jene, die sich durch die verzierenden Schnörkel graben wollen, bietet das Buch zweifellos lohnende Einsichten. Aber wer eine klare, fokussierte Erzählung sucht, wird in diesem Labyrinth aus Symbolik und Stilmitteln nicht so leicht seinen Weg finden.

Mein Urteil: Ein bewundernswert ambitioniertes, aber ungleichmäßiges Werk. 3,5 von 5 Sternen.

Freitag, 22. November 2024

Abgrund von Robert Harris

Abgrund von Robert Harris 



Seiten: 512    
Verlag: Heyne
Sprache: Deutsch
ISBN-10:3453273729
Amazon: Amazon.de








"Fakt und Fiktion meisterhaft vereint"

Rating: 7/10


Inhalt:

Sommer 1914. Die Welt am Rande der Katastrophe. In London hat die 26-jährige Venetia Stanley – aristokratisch, klug, unbekümmert – eine Affäre mit Premierminister H. H. Asquith, einem Mann, der mehr als doppelt so alt ist wie sie. Er schreibt ihr wie besessen Liebesbriefe und teilt ihr die heikelsten Staatsgeheimnisse mit. Während Asquith das Land unfreiwillig in den Krieg gegen Deutschland führt, untersucht ein junger Geheimdienstoffizier die widerrechtliche Enthüllung streng geheimer Dokumente – und plötzlich wird aus einer intimen Affäre eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit, die den Verlauf der politischen Geschichte verändern wird.

Review:

Robert Harris hat es wieder getan: Mit "Abgrund" entführt er uns in die düsteren Sphären der britischen Politik unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Und glaubt es mir, selten war historische Fiktion so fesselnd und beunruhigend zugleich.

Im Zentrum steht kein Geringerer als der britische Premierminister Herbert Henry Asquith. Ein Mann, der, anstatt sich voll und ganz den drohenden politischen Unruhen zu widmen, in einer obsessiven Affäre mit der jungen Aristokratin Venetia Stanley versinkt. Über 500 Briefe schreibt er ihr—ja, ihr haben richtig gehört—und das oft während wichtiger Kabinettssitzungen. Dabei gibt er nicht nur sein Herz preis, sondern auch streng geheime Informationen. Man könnte meinen, Harris habe hier die Fantasie mit ihm durchgehen lassen, doch die Realität ist noch schockierender.

Harris versteht es meisterhaft, die Grenze zwischen historischem Fakt und erzählerischer Fiktion nahezu unsichtbar zu machen. Er greift auf die tatsächlichen Briefe Asquiths zurück und webt daraus ein narratives Geflecht, das ebenso faszinierend wie verstörend ist. Asquith erscheint zunächst als verliebter älterer Herr, doch mit jedem Kapitel offenbart sich das Ausmaß seiner Besessenheit und die verheerenden Auswirkungen auf seine politische Urteilsfähigkeit.

Venetia Stanley ist keine bloße Statistin in diesem Drama. Harris zeichnet sie als komplexe junge Frau, gefangen zwischen den Erwartungen der Oberschicht und ihrem eigenen Streben nach Sinn und Identität. Ihre Beziehung zu Asquith ist sowohl Fluch als auch Segen, ein Spiel mit dem Feuer, das sie gleichermaßen stärkt und zerstört.

Die politische Kulisse ist nicht minder beeindruckend. Harris lässt historische Giganten wie Winston Churchill, David Lloyd George und Lord Kitchener auftreten, ohne dass es jemals erzwungen wirkt. Die internen Machtkämpfe, die irischen Unruhen, das heraufziehende Unheil des Krieges—all das bildet einen authentischen Hintergrund, vor dem sich die persönliche Tragödie entfaltet.

Stilistisch bewegt sich Harris auf höchstem Niveau. Seine präzise und elegante Sprache zieht den Leser unweigerlich in den Bann. Die Einbindung der Originalbriefe verleiht dem Werk eine zusätzliche Tiefe und Glaubwürdigkeit. Die fiktive Figur des Paul Deemer, eines jungen Geheimdienstoffiziers, bietet zudem einen frischen Blickwinkel und bereichert die Erzählung um eine weitere Dimension.

Die zentralen Themen—Macht und Machtlosigkeit, Liebe und Obsession, Verantwortung und Verrat—werden mit einer Subtilität behandelt, die unter die Haut geht. Harris zeigt auf eindringliche Weise, wie persönliche Schwächen den Lauf der Geschichte beeinflussen können. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung der damaligen Kommunikationskultur: Die mehrmaligen täglichen Postzustellungen, die Briefe als "SMS" ihrer Zeit, unterstreichen die Intensität und Dringlichkeit der Beziehung zwischen Asquith und Venetia.

"Abgrund" ist weit mehr als ein historischer Roman. Es ist eine tiefgründige Exploration menschlicher Begierden und politischer Verantwortung, ein Spiegel, der uns zeigt, wie eng persönliche und gesellschaftliche Schicksale miteinander verwoben sind. Robert Harris liefert hier ein Werk ab, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Meine Empfehlung: Lest dieses Buch. Es ist ein absolutes Muss für alle, die anspruchsvolle Literatur und gut recherchierte historische Fiktion zu schätzen wissen. Ihr werden es nicht bereuen.

Mittwoch, 20. November 2024

Daughter of the Pirate King – Fürchte mein Schwert

Daughter of the Pirate King – Fürchte mein Schwert



Seiten: 320
Verlag: Blanvalet
Sprache: Deutsch
ISBN-10:3734163889
Amazon: Amazon.de








"Piraten ohne Piratenflair: Wie ein vielversprechendes Buch Schiffbruch erleidet"

Rating: 2/10


Inhalt:

Captain Alosa hat nur ein Ziel vor Augen: Im Auftrag des Piratenkönigs Kalligan soll sie das Fragment einer Schatzkarte beschaffen. Ein Kinderspiel für sie, da kein Freibeuter es mit ihr aufnehmen kann. Das brutale Training ihres Vaters Kalligan hat sie zu seiner Geheimwaffe gemacht, denn sie setzt ihren Gegnern nicht nur ihre Kampfkraft, sondern auch die Sirenenmagie ihrer Mutter entgegen. Siegesgewiss beginnt Alosa ihre Mission auf einem Schiff voll verfeindeter Piraten, doch hat sie dabei nicht mit dem unverschämt attraktiven Ersten Maat Riden gerechnet, der gegen all ihre Kräfte immun zu sein scheint …

Review:

Manchmal fragt man sich, wie ein Buch mit so vielversprechender Prämisse so kläglich scheitern kann. Tricia Levensellers "Daughter of the Pirate King – Fürchte mein Schwert" verspricht Abenteuer, Intrigen und eine starke weibliche Piratin als Hauptfigur. Was der Leser jedoch erhält, ist eine blasse Geschichte, die weder Spannung noch Tiefgang bietet.

Alosa, die angeblich furchtlose Tochter des Piratenkönigs, verbringt mehr Zeit damit, uns von ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten zu erzählen, als sie tatsächlich zu demonstrieren. Statt mutiger Taten serviert sie dem Leser endlose Monologe über ihre eigene Großartigkeit. Es ist, als würde man einem Schauspieler zusehen, der ständig beteuert, wie brillant er ist, aber nie die Bühne betritt.

Der Schreibstil des Romans ist ebenso unausgegoren. Eine merkwürdige Mischung aus modernen Ausdrücken und veralteter Seemannssprache sorgt für Verwirrung und unterbricht den Lesefluss. Es scheint, als habe die Autorin versucht, Piratenflair zu erzeugen, ohne wirklich zu wissen, wie sie es umsetzen soll.

Die Handlung selbst dümpelt vor sich hin wie ein Schiff in der Flaute. Statt aufregender Seeschlachten oder cleverer Täuschungsmanöver werden wir mit einer vorhersehbaren und wenig überzeugenden Romanze zwischen Alosa und dem ersten Maat Riden abgespeist. Die Chemie zwischen den beiden ist so funkenlos wie nasses Pulver, ihre Dialoge sind hölzern und voller Klischees.

Die Nebenfiguren sind kaum der Rede wert. Sie fungieren als bloße Staffage in einer ohnehin dünnen Geschichte. Der versprochene Einblick in die Piratenwelt bleibt oberflächlich; es fehlt an Details, Tiefe und Authentizität. Man hat das Gefühl, die Autorin habe eine Checkliste von Piraten-Klischees abgearbeitet, ohne ihnen Leben einzuhauchen.

Besonders enttäuschend ist die Darstellung von Alosa als starker weiblicher Figur. Anstatt wirklich Stärke zu zeigen, verliert sie ihre Fassade bei der kleinsten Aufmerksamkeit eines gutaussehenden Mannes. Das ist nicht nur unglaubwürdig, sondern auch ein Schlag ins Gesicht für alle, die auf eine emanzipierte Heldin gehofft haben.

Fazit: "Daughter of the Pirate King – Fürchte mein Schwert" ist ein zahnloses Abenteuer, dem es an Spannung, Charaktertiefe und Authentizität mangelt. Wer auf der Suche nach einer fesselnden Piratengeschichte ist, sollte die Segel setzen und in anderen Gewässern suchen. Dieses Buch hinterlässt nichts als Ebbe.

Sonntag, 17. November 2024

Ghost Mountain von Rónán Hession

Ghost Mountain von Rónán Hession 



Seiten: 352
Verlag: Karl Blessing
Sprache: Deutsch
ISBN-10:3896677624
Amazon: Amazon.de








Ein meisterhafter Balanceakt zwischen Humor und existenzieller Ernsthaftigkeit

Rating: 7/10


Inhalt:

Wo zuvor nur Felder waren, steht plötzlich über Nacht ein Berg und verändert das Leben der umliegenden Gemeinde. Anhand eines Reigens ganz gewöhnlicher und doch einzigartiger Charaktere erkundet dieser feine Roman die Gipfel und Abgründe des menschlichen Daseins. Warmherzig, humorvoll, weise, zart und geradezu im Vorbeigehen macht er dabei ganze Welten auf. »Auf mal entzückende, mal lustige, mal erschütternde Weise zeigt Hession, dass unser eigenes Leben genauso unerklärlich und geheimnisvoll ist wie dieser magische Berg.« THE GUARDIAN »Hession erinnert an Murakami, bevor er berühmt, und an Beckett, nachdem er ein Adjektiv wurde. (…) Was für ein Glück, dass solche Bücher noch geschrieben werden.« THE IRISH TIMES

Review:

In seinem dritten Roman "Ghost Mountain" entführt Rónán Hession seine Leser in eine Welt, die sowohl vertraut als auch zutiefst mysteriös ist. Bekannt für seine feinfühligen Porträts des Alltäglichen in "Leonard und Paul" und "Panenka", wagt Hession hier einen mutigen Schritt in dunklere Gefilde, ohne dabei seine charakteristische Menschlichkeit zu verlieren.

Die Geschichte beginnt mit dem plötzlichen Erscheinen eines Berges in der Nähe einer unauffälligen Kleinstadt – ein Phänomen, das weder erklärt wird noch sich erklären lässt. Dieser Berg, limpetförmig und gesichtslos, dient weniger als geographisches Rätsel denn als Spiegel für die inneren Landschaften der Einwohner. Hession nutzt dieses unerklärliche Ereignis, um die tief verborgenen Sehnsüchte, Ängste und Konflikte seiner Charaktere ans Licht zu bringen.

Elaine, die den Berg als Erste entdeckt, ist eine Frau mittleren Alters, deren einsames Leben durch diese Entdeckung eine unerwartete Wendung nimmt. Ihre Begegnung mit dem Berg ist zugleich tragisch und erleuchtend, und Hession gelingt es, ihre innere Transformation mit großer Sensibilität zu zeichnen. Ocho und Ruth, ein Ehepaar in der Krise, reagieren unterschiedlich auf das Phänomen: Ruth fühlt sich mystisch angezogen, während Ocho in Zynismus und Eifersucht verfällt. Ihre Beziehung wird zum Schauplatz unausgesprochener Spannungen, die durch das Auftauchen des Berges nur noch verstärkt werden.

Besonders beeindruckt hat mich die Figur des Kartographen, der in seiner Rolle als Hüter der Karten und Vermesser der Welt plötzlich im Mittelpunkt steht. Seine anfängliche Begeisterung schlägt jedoch in Selbstüberschätzung und letztlich in Selbstzerstörung um. Hession zeichnet hier ein präzises Bild von menschlicher Hybris und der Suche nach Bedeutung in einer gleichgültigen Welt.

Der Roman besticht durch Hessions eleganten und dennoch zugänglichen Schreibstil. Seine Sprache ist klar, poetisch und voller feiner Nuancen. Er verbindet das Alltägliche mit dem Surrealen, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Seine Beschreibungen sind reich an Details, die die Sinne ansprechen und die Atmosphäre der Geschichte greifbar machen.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist Hessions Fähigkeit, schwere Themen mit subtiler Leichtigkeit zu behandeln. Trotz der dunkleren Untertöne – Isolation, existenzielle Angst, zwischenmenschliche Entfremdung – verliert der Roman nie seinen warmen Kern. Der Humor ist fein dosiert und dient dazu, die Charaktere noch menschlicher und zugänglicher zu machen.

Allerdings hatte ich den Eindruck, dass der Roman an manchen Stellen zu sehr in Andeutungen verweilt. Die metaphysische Bedeutung des Berges bleibt bewusst vage, was zwar Raum für Interpretationen lässt, aber auch zu einer gewissen Unbestimmtheit führt. Einige Handlungsstränge hätten tiefer erforscht werden können, um den emotionalen Impact zu verstärken.

Dennoch ist "Ghost Mountain" ein beeindruckendes Werk, das lange nachhallt. Hession fordert seine Leser heraus, ohne sie zu überfordern, und bietet eine fein nuancierte Reflexion über das Menschsein. Es ist ein Roman, der von der Kraft der inneren Geschichten erzählt und davon, wie sie unsere Wahrnehmung der Realität formen.

In einer Zeit, in der Literatur oft von lauten Stimmen und spektakulären Ereignissen dominiert wird, erinnert uns Hession daran, dass die größten Dramen im Verborgenen stattfinden – in den Herzen und Gedanken gewöhnlicher Menschen. "Ghost Mountain" ist ein leises, aber kraftvolles Buch, das seinen Platz in der zeitgenössischen Literatur mehr als verdient hat.

Freitag, 15. November 2024

Das flüsternde Haus von Christina Henry

Das flüsternde Haus von Christina Henry 



Seiten: 384
Verlag: Penhaligon
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764533196
Amazon: Amazon.de








"Ein atmosphärischer Grusel, der unter die Haut geht"

Rating: 7/10


Inhalt:

Harry Adams liebt Horrorfilme, daher ist es kein Zufall, dass die junge Mutter den Job als Haushaltshilfe für den berühmten Filmregisseur Javier Castillo annimmt. Dessen gruselige Villa ist von oben bis unten mit furchterregenden Requisiten und Kostümen vollgestopft – und Javier legt höchsten Wert auf Diskretion. Doch dann hört Harry Geräusche hinter einer verschlossenen Tür. Geräusche, die wie eine menschliche Stimme klingen, die um Hilfe ruft ... Düster, gruselig, einfach phantastisch – verpass nicht die anderen Bücher von Christina Henry wie »Die Dunklen Chroniken« oder »Böse Mädchen sterben nicht«.

Review:

Christina Henry hat mit ihrem neuen Roman Das flüsternde Haus einen faszinierenden Gothic-Horror geschaffen, der leise, aber eindringlich auf den Leser wirkt. Henry versteht es, eine Geschichte zu weben, die weit über bloße Schauereffekte hinausgeht – und das ist auch gut so! Denn was wir hier erleben, ist keine billige Achterbahnfahrt voller Schockmomente, sondern ein literarisch ambitionierter Tanz auf dem schmalen Grat zwischen Realität und Übernatürlichem.

Die Ausgangssituation ist so aktuell wie nachvollziehbar: Harry Adams, eine alleinerziehende Mutter, deren Leben durch die Pandemie aus der Bahn geworfen wurde, tritt eine Stelle als Haushälterin in Bright Horses an – einem Haus, das so viel Charisma hat wie ein Horrorfilmklassiker von Hitchcock. Doch keine Sorge, Christina Henry überzieht nicht mit platter Symbolik, sondern liefert eine Atmosphäre, die angenehm unter die Haut geht.

Was die Protagonistin Harry besonders macht, ist ihre Dreidimensionalität. Henry hat Harry mit einer Hintergrundgeschichte ausgestattet, die weit mehr Tiefe bietet, als man es in diesem Genre oft gewohnt ist. Ihre strenge religiöse Erziehung, ihre innere Zerrissenheit – all das fügt sich nahtlos in die Handlung ein und macht sie zur glaubwürdigen Erzählerin inmitten der unheimlichen Ereignisse. Besonders gelungen: die Beziehung zu ihrem Sohn Gabe. Diese Mutter-Sohn-Dynamik bildet den emotionalen Kern des Romans und sorgt dafür, dass das Unheimliche nicht ins Lächerliche abgleitet.

Die unheimlichen Elemente – flüsternde Stimmen, schattenhafte Gestalten und sich bewegende Masken – sind genau richtig dosiert. Henry geht subtil vor: Sie vertraut darauf, dass Leser mit Fantasie und Feingefühl sich in die Beklemmung hineinversetzen können, die sie meisterhaft aufbaut. Der Clou: Sie verwebt diese Atmosphäre mit den realen Herausforderungen der Pandemiezeit. Das verleiht dem Buch einen zusätzlichen Hauch von Relevanz.

Doch, und das muss gesagt werden, nicht alles ist perfekt. Die Figur des Javier Castillo, des zurückgezogen lebenden Horrorfilmregisseurs, der Harrys neuer Arbeitgeber ist, bleibt leider farblos. Ein Mann, der in einem solchen Setting mehr ist als nur eine Schachfigur, hätte den Roman sicher bereichert. Zudem sind einige Wendungen zu vorhersehbar. Es ist, als ob Christina Henry den Leser zu oft ans Händchen nimmt und ihn zu deutlich auf das Finale hinweist. Schade, denn gerade in einem Genre, das von Überraschungen lebt, ist das verschenktes Potenzial.

Trotz dieser kleinen Schwächen ist Das flüsternde Haus ein durch und durch lesenswertes Buch. Christina Henry schreibt präzise, mit einem feinen Gespür für Stimmungen und Details. Ihr gelingt es, die Schauplätze lebendig werden zu lassen und das Kopfkino des Lesers in Gang zu setzen.

Für Freunde des subtilen Horrors, der mehr auf psychologische Spannung als auf Blut und Gewalt setzt, ist Das flüsternde Haus eine klare Empfehlung. Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt, ohne dabei die Lust am Schaudern zu verlieren.

Fazit: Christina Henry beweist einmal mehr, dass sie die Meisterin des atmosphärischen Erzählens ist. Wer bereit ist, sich auf die langsame, aber umso intensivere Spannung einzulassen, wird mit diesem Buch ein Leseerlebnis der besonderen Art haben. Kurz gesagt: Literatur, die gruselt – und das auf hohem Niveau!

Montag, 11. November 2024

Rosarium - Charlotte Weitze

Rosarium - Charlotte Weitze 



Seiten: 464
Verlag: btb
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442759846
Amazon: Amazon.de








Herausfordernd und belohnend: „Rosarium“ als literarische Grenzerfahrung

Rating: 7/10


Inhalt:

Als Meisterwerk der zeitgenössischen dänischen Literatur gefeiert: eine einzigartige Familiensaga über fünf Generationen von Frauen Ein modernes Märchen, das vom Zusammenleben mit der Natur erzählt – mit »Rosarium« gelingt Charlotte Weitze eine grenzüberschreitende, höchst originelle Mischung aus Realismus und Fantastik. Da ist ein junges Mädchen, das mit dem Bruder allein im Wald lebt, Wurzeln schlägt und Fähigkeiten einer Pflanze annimmt. Da ist eine Botanikerin, die nicht nur ihre eigene Geschlechtsidentität findet, sondern auch eine ungewöhnliche Liebe und eine geheimnisvolle Rose. Und da ist eine Urgroßmutter in Amerika, die ihrer Urenkelin vor dem Tod noch ihr geheimes Wissen mitteilen möchte.

Review:

Charlotte Weitzes „Rosarium“ ist ein Roman, der wie eine seltsame, botanische Traumlandschaft wirkt und gleichzeitig vertraut und fremd erscheint. Ich war überrascht, wie schnell mich die Geschichte in ihren Bann zog, obwohl sie sich jeglicher konventioneller Erwartung entzieht. Weitze hat ein Werk geschaffen, das die Grenzen zwischen Mensch und Natur sprengt und zugleich eine intime Familienchronik erzählt – mit Pflanzen und Menschen, die auf ungeahnte Weise miteinander verwoben sind.

Im Zentrum steht eine Familie über mehrere Generationen hinweg, deren Mitglieder eine fast mystische Verbindung zur Pflanzenwelt besitzen. Dieses „botanisch-magische“ Element ist nicht nur ein reizvolles Motiv, sondern ermöglicht es Weitze, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen. Da sind Menschen, die buchstäblich zu Pflanzen werden, in der Sonne Photosynthese betreiben oder ihre Samen über absonderliche Wege weitergeben. Das mag auf den ersten Blick irritierend klingen, aber Weitze gestaltet diese Szenen mit so viel sprachlicher Eleganz und Poesie, dass man den Eindruck gewinnt, hier geht es um mehr als nur um eine bizarre Erzählung. Es ist vielmehr eine subtile Reflexion über die Symbiose zwischen Mensch und Natur, ein Gedanke, der sich während des Lesens immer tiefer eingräbt.

Der Vergleich zu Olga Tokarczuk liegt auf der Hand, und ich sehe hier tatsächlich viele Parallelen – nicht nur in der erzählerischen Weite und der Nähe zur Mythologie, sondern auch in der präzisen Sprache und der Fähigkeit, das Fantastische mit dem Alltäglichen zu verweben. Weitzes Schreibstil besitzt eine ähnlich hypnotische Kraft, und während des Lesens fühlte ich mich oft in einer Art gedanklichem Schwebezustand, wie ein Besucher in einer Welt, die vertraut scheint, jedoch völlig eigene Gesetze hat.

Thematisch deckt „Rosarium“ eine breite Palette ab: Von der Erkundung ökologischer Fragen über Genderrollen bis hin zur Suche nach dem Sinn des Lebens. Doch was mich besonders beeindruckt hat, ist die Weise, wie Weitze diese Themen behandelt. Sie neigt nie dazu, belehrend oder plakativ zu wirken. Die Gedanken über Mensch und Natur, die ökologische Verantwortung oder die menschlichen Beziehungen in diesem Erzählkosmos tauchen fast beiläufig auf, als leise Untertöne, die jedoch nachhallen. Das Werk ist reich an Symbolik und bringt Fragen mit sich, die man nicht einfach beiseitelegen kann.

Gleichzeitig muss ich aber zugeben: „Rosarium“ ist keine leichte Lektüre. Der Einstieg hat mich durchaus gefordert, und ich kann verstehen, dass manche Leser anfangs zögern oder gar abgeschreckt werden könnten. Die Handlung ist nicht immer linear, es gibt Abschnitte, die in ihrer Rätselhaftigkeit Geduld verlangen, und die fast surreale Atmosphäre sorgt dafür, dass man sich gelegentlich verloren fühlt. Besonders in den ersten Kapiteln gibt es irritierende Momente, die eine starke Reaktion hervorrufen – eine gewagte Herangehensweise, die nicht jedem gefallen dürfte. Doch Weitze belohnt die Geduldigen: Im weiteren Verlauf entwickelt die Geschichte eine Art Sog, und spätestens ab der zweiten Hälfte wird klar, wie feinfühlig die Autorin ihre Ideen verwebt hat.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist der unerwartete Mix aus botanischem Wissen und fantastischer Imagination. Die detaillierte, fast wissenschaftliche Beschreibung der Pflanzen und deren symbolische Bedeutung fügt eine zusätzliche Ebene hinzu, die ich selten in Romanen finde. Man könnte „Rosarium“ fast als „botanischen Realismus“ beschreiben, ein eigenwilliges Genre, das Weitze wie keine andere beherrscht.

Am Ende ist „Rosarium“ ein Werk, das mich herausgefordert und bereichert hat. Es ist ein Roman, der weit über eine gewöhnliche Familiengeschichte hinausgeht und tiefgreifende Fragen aufwirft, die man nicht sofort beantworten kann – und vielleicht auch nicht sollte. Charlotte Weitze hat hier ein literarisches Unikat geschaffen, das eigenwillig, beunruhigend und doch bezaubernd ist. Sicherlich ist es nicht für jedermann geeignet, und ich kann verstehen, wenn man sich mit der Thematik oder dem Stil schwer tut. Doch für Leser, die bereit sind, sich auf ein unerwartetes Abenteuer einzulassen und die sich in der Grauzone zwischen Realität und Fantasie wohlfühlen, könnte „Rosarium“ zu einem der eindrucksvollsten literarischen Erlebnisse gehören.

Sonntag, 10. November 2024

From Here to the Great Unknown - Von hier ins Ungewisse von Lisa Marie Presley

From Here to the Great Unknown - Von hier ins Ungewisse von Lisa Marie Presley 



Seiten: 240
Verlag: Penguin Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3328603786
Amazon: Amazon.de





„Tragik ohne Tiefe – Ein enttäuschender Einblick ins Presley-Erbe“

Rating: 2/10


Inhalt:

Lisa Marie Presley, Tochter der amerikanischen Musiklegende Elvis und aufgewachsen in Graceland, erzählt erstmals ihre ganze Lebensgeschichte. Eine einzigartige und ungeschönte Autobiografie, die von ihrer Tochter Riley Keough aufgeschrieben wurde. Ende 2022 bat Lisa Marie Presley ihre Tochter Riley Keough, ihr bei der Fertigstellung ihre lang erwarteten Memoiren zu helfen. Nur einen Monat später verstarb Lisa Marie überraschend - und konnte ihre Geschichte, die sie in ihren eigenen Worten erzählen wollte, nicht mehr vollenden. Ihre Tochter Riley fürchtete, dass nun niemand die vielen Seiten dieser liebevollen, lebensfrohen und fürsorglichen Frau kennenlernen würde, um deren Tod sie nun trauerte. Doch Riley erhielt die Tonbandaufnahmen, die ihre Mutter während der Arbeit an ihrem Buch aufgenommen hatte. Sie legte sich in ihr Bett und lauschte Lisa Maries Stimme, die eine Geschichte nach der anderen erzählte: wie sie als Kind in Graceland mit Golfwagen Unfälle baute, wie sie die grenzenlose Liebe ihres Vaters spürte und wie die beiden sich im ersten Stock des Anwesens vor der Welt zurückzogen. Darüber, wie sie schreiend aus dem Badezimmer gezerrt werden musste, in dem sie den leblosen Körper ihres Vaters gefunden hatte. Über ihr Leben in Los Angeles mit ihrer Mutter, die Reihe an Schulen, von denen sie wieder und wieder flog, wenn es Ärger gab. Über die einzigartige, lebenslange Bande zu Rileys Vater Danny Keough und über die Ehe mit Michael Jackson. Darüber, was es heißt, Mutter zu sein. Über den Schmerz, der sie nie verließ. Riley wusste, dass sie der Welt die Memoiren ihrer Mutter, so herzzerreißend sie auch waren, nicht vorenthalten durfte. Dass die Welt ihre Mutter endlich kennenlernen musste. Dieses außergewöhnliche Buch vereint die Stimmen von Lisa Marie und Riley in einem Gespräch zwischen Mutter und Tochter, das den Tod und den Schmerz überwindet. From Here to the Great Unknown – Von hier ins Ungewisse ist tief berührend, erschütternd und intim – das letzten Zeugnis des einzigen Kindes einer wahren Legende.

Review:

Selten habe ich ein Buch gelesen, das mit so viel Versprechen startet und doch so grandios scheitert wie "Von hier ins Ungewisse". Lisa Marie Presley versucht sich an einer intensiven, introspektiven Biografie, doch was bleibt, ist ein bruchstückhafter und schwer fassbarer Einblick in ein Leben, das weder tiefgehend noch aufschlussreich ist.

Der Kunstgriff, Mutter und Tochter abwechselnd zu Wort kommen zu lassen, soll wohl Tiefe suggerieren, verliert sich aber in wirren Gedankensprüngen und oberflächlichen Reflexionen. Echte Erkenntnisse? Fehlanzeige. Statt einer packenden Lebensgeschichte serviert uns das Buch eine endlose Aneinanderreihung von Enttäuschungen und Tragödien, die jedoch nur am Rande gestreift werden.

Lisa Marie scheint ihr eigenes Leben nie wirklich reflektiert zu haben, und Riley Keoughs kurze Kommentare wirken wie hastig eingefügte Randnotizen, die das Fehlen von Substanz nicht kaschieren können. Was wir hier haben, ist seichte Melancholie statt fesselnder Erzählfluss—eine literarische Schlaftablette, die weder berührt noch zum Nachdenken anregt.

Der Versuch, durch eingestreute Gedichte und vermeintlich literarische Passagen Tiefe zu erzeugen, wirkt geradezu peinlich. Es ist, als hätte man verzweifelt nach intellektuellem Anstrich gesucht, ohne zu verstehen, was Literatur wirklich ausmacht. Und dann die bewusste Auslassung heikler Themen wie die Verbindungen zu Scientology oder finanzielle Probleme—ein weiterer Sargnagel für die Glaubwürdigkeit dieses Werks.

Am Ende bleibt ein Gefühl der Leere. Wer auf der Suche nach einer faszinierenden Familiengeschichte oder einem tiefen Einblick in das Presley-Erbe ist, sollte einen großen Bogen um dieses Buch machen. Viel Lärm um nichts—eine Frage drängt sich auf: Warum wurde dieses Buch überhaupt geschrieben? Meine Empfehlung: Lassen Sie es im Regal stehen und greifen Sie zu etwas, das Ihrer Zeit würdig ist.

Samstag, 9. November 2024

Das große Spiel von Richard Powers

Das große Spiel von Richard Powers



Seiten: 512
Verlag: Penguin
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3328603719
Amazon: Amazon.de







Stilistische Überfrachtung: Bombastische Sprache ohne emotionale Substanz

Rating: 2/10


Inhalt:

Eine Insel. Vier Suchende. Verbunden durch das vielleicht letzte große Abenteuer der Menschheit. – Das bewegende Meisterwerk von Pulitzer-Preisträger und Autor des Weltbestsellers »Die Wurzeln des Lebens« Auf Makatea, einst ein vergessener Fleck im endlos blauen Pazifik, soll die Gesellschaft der Zukunft entstehen. Über Umwege und Gezeiten finden auf der Insel vier Menschen zusammen, deren Schicksale nachhaltig mit dem des Planeten verknüpft sind: Evelyne Beaulieu, die in den Tiefen des Ozeans taucht, um das geheimnisvolle Spiel der Riesenmanta zu entziffern. Ina Aroita, die die paradiesischen Strände nach Materialien für ihre Skulpturen abwandert – doch schon lange schwemmt das Meer nur noch Plastikmüll an. Und der verträumte Büchernarr Rafi Young und der visionäre Computernerd Todd Keane, deren Freundschaft an dem kühnen Versuch zu zerbrechen droht, eine neue Welt zu erschaffen, um sich vor dem Untergang der jetzigen zu retten. Virtuos komponiert der große Erzähler Richard Powers die dringenden Fragen unserer Zeit – über die Auswirkungen der Klimakrise und die Hoffnung Künstlicher Intelligenz – zu einem fesselnden und zutiefst bewegenden Epos.

Review:

Richard Powers, ein Autor, dessen Name für tiefgründige literarische Werke steht, hat sich mit "Das große Spiel" ein ambitiöses Ziel gesetzt: Die Ozeane und die digitale Sphäre in einem erzählerischen Netz zu verbinden. Doch wo man eine kraftvolle Symbiose erwarten könnte, bleibt eine zähe und zersplitterte Erzählung, die das Leserlebnis lähmt, anstatt es zu bereichern. In diesem Werk, das sich selbst ein intellektuelles Denkmal setzen will, gelingt wenig. Powers zielt hoch und landet, um es schmerzlich klar zu sagen, flach.

Powers war schon immer ein Meister der komplexen Narrative – doch hier verheddert sich sein Werk in einer selbstverliebten Struktur, die den Leser entweder frustriert zurücklässt oder gänzlich abschreckt. Der Roman springt zwischen den Lebensgeschichten der Ozeanografin Evelyne, die die Geheimnisse des Meeres erforscht, und des Tech-Moguls Todd Keane, der durch seine Plattform „Playground“ ein fragwürdiges Vermächtnis hinterlässt. Diese zwei Handlungsstränge sollen sich gegenseitig beleuchten, gehen aber nie wirklich Hand in Hand. Stattdessen zieht der Roman immer wieder umständliche, teils redundante Kreise und scheint die eigentliche Geschichte selbst nicht zu finden. Es ist, als ob Powers darauf vertraut, dass der Leser blind seinem intellektuellen Eifer folgt – ein fataler Trugschluss.

Die Figuren dieses Romans sind weit entfernt von dem, was man von Powers erwartet. Todd Keane ist der typische, überzeichnete Milliardär, der den moralischen Kompass verloren hat – ein so abgegriffenes Klischee, dass es schwerfällt, hier irgendeinen neuen Impuls zu erkennen. Noch enttäuschender ist die Darstellung von Rafi, der als stereotype und platte Version eines schwarzen Charakters bleibt und sprachlich auf unangenehme Weise antiquiert wirkt. Powers, der in früheren Werken wie "Der Klang der Zeit" kulturelle Komplexität so sensibel darstellte, bleibt hier in peinlich vereinfachten Vorstellungen stecken. Es wirkt, als würde er seine eigene Fähigkeit zur Empathie verraten, um die Geschichte voranzutreiben – ein Verrat, der nicht nur unangenehm, sondern schlicht unangebracht ist.

Evelyne, die Ozeanografin, scheint das Herzstück des Romans zu sein, bleibt aber letztlich blass. Während Powers früher die wissenschaftliche Hingabe und Entdeckerfreude seiner Figuren brillant in emotionale Spannungsfelder verwandelte, bleibt Evelyne hier eine unpersönliche Projektion. Ihre Reise in die Tiefen des Ozeans ist weniger aufregend als ermüdend, eine nüchterne Naturdokumentation, die sich selbst in epischer Breite verliert. So bleibt die Botschaft, dass die Ozeane schützenswert sind, als abgedroschenes Mantra zurück, ohne emotionale Tiefe oder wirklich neue Perspektiven zu bieten.

Stilistisch hat sich Powers hier – sagen wir es unverblümt – übernommen. Das Buch strotzt vor prätentiösen Passagen, die in ihrer Aufgeblasenheit fast karikaturesk wirken. Mit einer erzwungenen Feierlichkeit beschreibt er die Tiefsee und das High-Tech-Universum, als wolle er beweisen, dass er den literarischen Olymp bereits erreicht hat. Doch wo früher seine Sprache von einer spürbaren Leidenschaft getragen war, wirkt sie hier hohl und aufgesetzt. Die emotionalen Höhepunkte sind flach und lassen den Leser kalt. Das Resultat ist ein Buch, das sich wie eine Pflichtlektüre liest, die belehren will, aber kaum berührt.

Und dann wäre da noch das moralische Mahnen. Ja, Powers möchte uns auf die Gefahren der KI hinweisen, möchte uns für den Erhalt der Ozeane sensibilisieren – und das sind ohne Zweifel wichtige Themen. Doch die Art und Weise, wie er dies hier tut, ist platt und aufdringlich. Das Thema der künstlichen Intelligenz, das zu einer packenden Auseinandersetzung über menschliche Kreativität und Maschinenethik hätte werden können, bleibt ein bloßes Ornament. Powers wählt einen erhobenen moralischen Zeigefinger statt einer subtilen Erzählweise, die den Leser durch ihre Vielschichtigkeit zum Nachdenken anregt.

Die letzten Seiten des Romans schlagen dem Ganzen die Krone auf: Hier versucht Powers einen erzählerischen Kunstgriff, der jedoch so ungeschickt und unfertig wirkt, dass er wie eine verpatzte Pointe daherkommt. Die Verschmelzung von Realität und KI-generierter Fiktion mag auf dem Papier eine interessante Idee sein, aber in der Umsetzung misslingt sie komplett. Es ist ein Ende, das in sich zusammenbricht, ohne irgendeinen emotionalen oder narrativen Nachklang zu hinterlassen. Man könnte meinen, Powers versuche, uns mit diesem abrupten Wechsel auf die Gefahren von KI und der Verschränkung von menschlicher und maschineller Wahrnehmung hinzuweisen – doch dieser Versuch bleibt als konstruierter Gimmick zurück, der den Leser eher enttäuscht als beeindruckt.

Fazit: Ein Werk, das im eigenen Anspruch versinkt

Mit "Das große Spiel" hat Richard Powers einen Roman geschrieben, der sich an wichtigen Themen verheben will und an den eigenen Ambitionen scheitert. Statt einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit Mensch, Natur und Technik erwartet den Leser hier eine ermüdende Abhandlung, die sich hinter ihrer moralischen Botschaft versteckt und dabei den eigentlichen Kern – das Menschliche – vergisst. Das Buch ist eine Anhäufung von Symbolen, die sich gegenseitig in ihrer Bedeutung aufheben, und eine Erzählung, die sich in ihrer eigenen Struktur verliert. Die Stärke, mit der Powers einst seine Leser packte, weicht hier einer fast schon zynischen Überheblichkeit.

Wer sich in der Welt des Ozeans verlieren und über die Beziehung zwischen Mensch und Maschine nachdenken möchte, wird hier nur eine zähe und enttäuschende Reise erleben. Richard Powers, einst ein literarischer Visionär, liefert hier ein Werk ab, das weder seine hohen Ansprüche noch die Erwartungen seiner Leser erfüllt.

Freitag, 8. November 2024

Der Riss von Andreas Brandhorst

Der Riss von Andreas Brandhorst



Seiten: 640
Verlag: Heyne
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453274822
Amazon: Amazon.de






Ein Blick hinter die Kulissen unserer Existenz: "Der Riss" regt zum Nachdenken an

Rating: 7/10


Inhalt:

Flynn Darkster, einer der weltweit besten Hacker, wird verhaftet, weil er in die Computersysteme des Pentagon eingedrungen ist. Er wird vor die Wahl gestellt: entweder Gefängnis oder Mitarbeit bei der »Gruppe Horatio«, einem geheimen Regierungsprogramm. Schon bald kommt Flynn dem wahren Ziel des Geheimprojekts auf die Spur, die Suche nach Beweisen dafür, dass unsere Realität in Wirklichkeit eine gewaltige Computersimulation ist. Doch wenn das so ist, wer hat diese Simulation geschaffen? Und gibt es einen Weg, die Menschheit daraus zu befreien? Für Flynn beginnt eine atemlose Jagd nach mächtigen Gegnern, die sich hinter den Grenzen der Wirklichkeit selbst zu verbergen scheinen.

Review:

Andreas Brandhorst beweist mit Der Riss erneut, dass er einer der faszinierendsten Denker und Erzähler der deutschen Science-Fiction ist. Der Roman kombiniert actionreiche Thriller-Elemente mit tiefgründigen philosophischen Fragen – ein anspruchsvolles Werk, das unsere Realität und ihre Grenzen auf den Prüfstand stellt.

Im Kern folgt der Roman drei Handlungssträngen, die sich in einem komplexen und oft düsteren „near-future-Setting“ entfalten: Flynn Darkster, ein brillanter Hacker, wird nach einem Pentagon-Hack von einer Regierungsorganisation rekrutiert. Er soll für die Spezialeinheit "Horatio" arbeiten, die sich auf einen möglichen Cyberkrieg vorbereitet und dabei immer tiefer in die Strukturen der Realität selbst eindringt. Dann ist da Alma, die in einem Albtraum gefangen ist, der immer dieselben, erschreckend realistischen Szenen zeigt und die sie fragen lässt, wie viel von dem, was wir erleben, tatsächlich „real“ ist. Schließlich gibt es Dr. Hannah Tambey, die eine Künstliche Intelligenz namens Jota betreut, eine außergewöhnliche Maschinenintelligenz, die sich immer weiterentwickelt und zunehmend Fragen über ihre eigene Existenz stellt.

Brandhorst verknüpft diese Geschichten meisterhaft mit Themen wie der Simulationstheorie und einer spekulativen, von KI dominierten Zukunft. Es geht darum, ob wir Menschen womöglich selbst nur Teil einer programmierten Simulation sind – eine Idee, die faszinierend und beängstigend zugleich ist. Besonders spannend fand ich die Entwicklung der KI Jota, die im Laufe der Geschichte ein Bewusstsein für ihre eigene Existenz und die vermeintlich „reale“ Welt entwickelt. Brandhorst fragt dabei klug, ob unsere grundlegenden Naturgesetze nicht Belege für eine Simulation sein könnten und ob Anomalien auf Quantenebene etwa „Fehler im Programm“ sind. Die Fragen sind mutig und für mich als Leser faszinierend, auch weil sie unseren Blick auf die Welt infrage stellen.

Im Hinblick auf den Stil ist Brandhorsts Sprache klar und elegant, dennoch komplex genug, um die philosophischen und wissenschaftlichen Themen zu transportieren. Der Roman wechselt in kurzen Kapiteln zwischen den Perspektiven und sorgt so für Spannung, doch durch die philosophischen Einschübe wird auch immer wieder Raum zum Nachdenken geschaffen. Der Autor schafft eine Balance aus Unterhaltung und Reflexion, die selten in der Science-Fiction zu finden ist und Der Riss eine besondere Tiefe verleiht.

Für Leser, die Sci-Fi und Thriller gleichermaßen schätzen und gerne über große Fragen nachdenken, ist Der Riss eine Lektüre, die sich lohnt. Brandhorst nimmt uns mit auf eine Reise, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet, was mir besonders gefallen hat. Dieses Buch bleibt nicht an der Oberfläche, sondern fordert heraus – intellektuell wie emotional. Ein Roman, der noch lange nachhallt und dazu anregt, über unsere Realität, und das, was dahinter liegen könnte, neu nachzudenken.

Sonntag, 3. November 2024

Mrs. Dalloway von Virginia Woolf

Mrs. Dalloway von Virginia Woolf



Seiten: 400
Verlag: Penguin
Sprache: Deutsch
ISBN-10:
Amazon: Amazon.de








"Gedankenfluss ohne Richtung: Woolfs zähe Reise durch einen Tag"

Rating: 2/10


Inhalt:

Es ist ein besonderer Tag im Leben der zweiundfünfzigjährigen Clarissa Dalloway: Die Gattin eines Parlamentsabgeordneten will am Abend eine ihrer berühmten Upper-class-Partys geben. Der Tag vergeht mit Vorbereitungen, zufälligen Begegnungen mit Jugendfreunden, Konversation, nostalgischen Betrachtungen, Sinneseindrücken beim Flanieren ... Ein besonderer Tag soll es – aus ganz anderen Gründen freilich – auch für Septimus Smith werden. Auch ihn, den Kriegsheimkehrer, beschäftigt die Gegenwärtigkeit des Vergangenen in jedem einzelnen Augenblick. In permanent sich wandelnden Empfindungen, Visionen und Assoziationen der Figuren entsteht ein faszinierendes Zeit- und Gesellschaftsbild Englands, rhythmisiert vom Stundenschlag des Big Ben. Romantische, nüchterne und satirische Stimmungslagen fließen ineinander, Melancholie und Contenance, tiefgründiger Witz und leise Wehmut durchziehen Virginia Woolfs Meisterwerk moderner Erzählkunst. PENGUIN EDITION. Zeitlos. Kultig. Bunt.

Review:

Virginia Woolfs „Mrs. Dalloway“ ist ein Klassiker der Weltliteratur, und wie oft bei hochgelobten Werken, die universelle Anerkennung genießen, stellt sich die Frage: Ist das Lob wirklich gerechtfertigt? Für mich – ehrlich gesagt – nicht. Woolf hat mit „Mrs. Dalloway“ einen Roman geschaffen, der eher wie ein verzetteltes Gedankenexperiment anmutet als wie ein literarisches Erlebnis. Der Stream-of-Consciousness-Stil, der die Gedankenwelt der Figuren einfängt, wird häufig als „genial“ bezeichnet, doch hier wirkt er vor allem ermüdend und selbstgefällig.

Der gesamte Roman spielt an einem einzigen Tag im Leben der Londoner High-Society-Dame Clarissa Dalloway. Man könnte erwarten, dass in dieser Konzentration auf eine knappe Zeitspanne eine besondere Intensität oder ein markanter Einblick in das Leben und die Psyche der Figuren liegt. Doch statt Spannung und Dynamik bekommt man vor allem leere, formelhafte Reflexionen über das Leben und die verpassten Chancen. Clarissa, die ihren Abendball so sorgfältig plant, könnte faszinierend sein – eine Frau zwischen gesellschaftlichen Zwängen und persönlichen Sehnsüchten. Doch Woolf schafft es nicht, Clarissa oder irgendeinen ihrer Mitspieler lebendig werden zu lassen. Vielmehr bleibt man als Leser ein distanzierter Beobachter, der kaum Zugang zu den Figuren findet.

Die Methode des Bewusstseinsstroms ist nicht per se das Problem. Es gibt Bücher, die diese Technik meisterhaft einsetzen und den Leser tief in die Gedankenwelt der Figuren eintauchen lassen. Doch bei „Mrs. Dalloway“ wird sie zur Tortur. Der Stil, der hier gewählt wurde, macht es schwer, den roten Faden zu behalten, denn anstatt eines klaren Handlungsstrangs springt man von einem belanglosen Gedanken zum nächsten. Die Figuren philosophieren über Liebe, Vergangenheit, Verlust – Themen, die an sich tiefgehend sein könnten, doch durch Woolfs Hand bleiben sie flach und vor allem zäh. Wenn ein Buch so stark mit der inneren Monologisierung arbeitet, sollte diese den Leser in den Bann ziehen. Hier jedoch drängt sich der Gedanke auf, dass man eher die Selbstgespräche eines Hochmütigen in einem Vakuum liest.

Es wird oft gesagt, Woolf setze sich mit gesellschaftlichen Themen wie Klasse, Geschlechterrollen und den seelischen Narben des Krieges auseinander. Doch diese Themen bleiben seltsam leblos und dienen mehr als dekorative Elemente im Hintergrund. Septimus, der kriegstraumatisierte Soldat, hätte ein authentisches Porträt eines von der Gesellschaft missverstandenen Mannes sein können, doch seine psychische Zerrissenheit wird zur Karikatur eines traumatisierten Geistes, die keinerlei Empathie hervorruft. Clarissas persönliche, gesellschaftliche und politische Dilemmata wirken aufgesetzt und substanzlos – Reflexionen über die Frau im Wandel der Zeit bleiben oberflächlich und sind meilenweit davon entfernt, den Leser wirklich zu berühren.

Die Sprachkunst Woolfs ist unbestritten. Ihre Worte fließen wie Wasser, verschmelzen Gedanken und Zeit zu einem einzigen Strom. Man spürt die Poesie in jedem Satz, und die Schönheit der Sprache ist es, die viele Leser bewundern. Doch was bringt eine schöne Sprache, wenn sie letztlich ins Leere führt? Statt in den Dienst der Geschichte zu treten, ergeht sich die Sprache in ziellosen, selbstverliebten Formulierungen, die die Handlung ersticken. So sehr man die Sprachgewandtheit Woolfs schätzen könnte, bleibt am Ende doch ein bitterer Nachgeschmack: Die Worte stehen hier für sich, ohne einen Mehrwert zu bieten.

Fazit – Ein Klassiker, der sich in seinem eigenen Schatten verliert

„Mrs. Dalloway“ ist ein Buch, das sich literarisch elitär gibt und dabei wenig Substanz liefert. Für jene, die an hochtrabenden Gedankenströmen Freude finden und über philosophische Miniaturen nachdenken wollen, könnte dieses Werk geeignet sein. Für die meisten jedoch bleibt „Mrs. Dalloway“ eine literarische Übung in Selbstverliebtheit, die weit mehr verspricht, als sie zu geben imstande ist. Woolfs Stil und ihre Themenwahl könnten beeindruckend wirken, doch am Ende hinterlässt das Buch kaum etwas anderes als die Frage, ob man sich wirklich an einem langweiligen Tag im Kopf eines anderen verlieren wollte.

Freitag, 1. November 2024

Parts Per Million: Gewalt ist eine Option von Theresa Hannig

Parts Per Million: Gewalt ist eine Option von Theresa Hannig



Seiten: 368
Verlag: FISCHER Tor
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 9783104917948
Amazon: Amazon.de








Rating: 7/10


Inhalt:

Aktuell, kritisch und äußerst spannend. Ein Climate-Fiction-Thriller über die Zukunft des Klima-Aktivismus. Die Autorin Johanna Stromann will einen Roman über Klima-Aktivisten schreiben. Doch die Recherche erweist sich als gefährlich, denn der Staat versucht, die Proteste mit Gewalt zu unterdrücken. Bald ist es Johanna nicht mehr möglich, neutral am Rand zu stehen und nur zu dokumentieren. Im Gegenteil: Ihr geht das alles nicht weit genug. Als ein Großteil der Klima-Gruppen verboten und ihre Mitglieder zu Haftstrafen verurteilt werden, gründet sie zusammen mit den verbliebenen Aktivist*innen die Gruppe „Parts Per Million“, um die Verursacher der Klimakatastrophe zur Rechenschaft zu ziehen. Mit allen Mitteln.

Review:

Theresa Hannigs "Parts per Million" ist ein Buch, das aufwühlt, provoziert und ein unheimlich aktuelles Thema ins Zentrum rückt: den Klimawandel und die gesellschaftlichen Reaktionen darauf. Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, blieb ich mit einer Mischung aus Faszination und Unbehagen zurück. Hier wird ein Near-Future-Szenario entworfen, das nur allzu realistisch wirkt – vielleicht "zu" realistisch.

Die Geschichte folgt Johanna Stromann, einer Schriftstellerin, die ursprünglich nur für ihren nächsten Roman recherchiert, dabei aber immer tiefer in die Welt der Klimaaktivisten abrutscht. Anfangs ist sie nur neugierig, beobachtet die Proteste mit einem gewissen Abstand. Doch mit jedem Schritt, den sie in diese Welt setzt, entfernt sie sich von ihrem alten Leben – ihrem wohlhabenden Münchner Alltag mit Ehemann und Tochter. Der schleichende Übergang von der neutralen Beobachterin zur radikalen Aktivistin ist das Herzstück dieses Romans. Hannig schafft es dabei, Johannas Wandel so nachzuvollziehen, dass man als Leser die ganze Zeit fragt: "Würde ich in derselben Situation nicht ähnlich handeln?"

Radikalisierung als Antwort auf Ignoranz?

Einer der stärksten Aspekte des Buches ist, dass es die moralischen Grauzonen des Aktivismus auslotet. Johanna beginnt harmlos, doch bald gerät sie in den Bann von Marcus Heller, einem charismatischen Anführer der Bewegung, der den Klimaschutz nicht länger als Anliegen von friedlichen Demonstrationen sieht. Stattdessen plant er, den Kapitalismus radikal zu bekämpfen – koste es, was es wolle. Dieser Punkt hat mich stark beschäftigt: Wie weit darf Aktivismus gehen, um wirklich etwas zu bewirken? 

Hier wird das Buch unbequem und das meine ich im besten Sinne. Hannig stellt uns die Frage, wie weit wir persönlich bereit wären zu gehen, wenn die Welt vor dem Kollaps steht. Was passiert, wenn friedliche Mittel versagen? Ist Gewalt dann gerechtfertigt? Natürlich verurteile ich jede Form von Gewalt, und doch habe ich mich dabei ertappt, diese Gedanken mitzudenken. "Parts per Million" spielt gekonnt mit diesen moralischen Dilemmas und lässt keine einfachen Antworten zu. Das macht den Roman so kraftvoll.

Ein düsteres Zukunftsszenario

Besonders gelungen finde ich die Art und Weise, wie Hannig die politische und gesellschaftliche Landschaft in der nahen Zukunft beschreibt. Deutschland wird von einer autoritären Regierung regiert, die Überwachung ist allgegenwärtig und die Demokratie scheint in ihren Grundfesten erschüttert. Das Buch spielt in einer Welt, die nur wenige Jahre in der Zukunft liegt – erschreckend vertraut, und genau das macht den Roman so beklemmend.

Die Nachrichten, die jedes Kapitel einleiten, sind reale Schlagzeilen, die uns nur allzu gut bekannt vorkommen: Extremwetter, politische Unruhen, soziale Spaltung. Diese Verknüpfung von Fiktion und Realität ist einer der stärksten Kniffe des Buches. Es erinnert uns daran, dass wir uns in genau dieser Welt befinden. Die Fragen, die hier gestellt werden, sind nicht bloß hypothetisch. Sie betreffen uns alle, jetzt und heute.

Spannung mit Schwächen

Was den Lesefluss angeht, hatte ich anfangs etwas Mühe, mich mit Johanna als Figur zu identifizieren. Sie wirkte auf mich zunächst distanziert und fast ein wenig passiv, was ihren Wandel später umso überraschender machte. Dennoch gibt es im Mittelteil des Buches einige Längen, in denen Johannas Recherchen sich etwas zu sehr in Details verlieren und den Thrill des Romans ausbremsen. Doch sobald Marcus Heller auf der Bildfläche erscheint, nimmt die Handlung an Fahrt auf, und ab diesem Punkt konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen.

Es gibt auch Momente, in denen Hannig ein wenig zu plakativ auf die Dringlichkeit des Klimaschutzes hinweist. Die Botschaft des Romans ist klar: Wir müssen handeln, und zwar jetzt. Doch an manchen Stellen fühlte es sich fast wie eine moralische Predigt an – eine Schärfe, die mir persönlich weniger subtiler als notwendig vorkam. Das mag jedoch Geschmackssache sein.

Ein Buch, das hängen bleibt

Nach der letzten Seite blieb vor allem eines: das Unbehagen. "Parts per Million" ist kein Buch, das man einfach beiseitelegt und zum nächsten übergeht. Es wühlt auf, hinterlässt Fragen und lässt einen über die eigene Verantwortung nachdenken. Wie weit würde ich gehen? Wo ziehe ich die Grenze zwischen Aktivismus und Extremismus? Es ist ein Roman, der Diskussionen anregt – genau das, was gute Literatur leisten sollte.

Hannig zeigt uns eine Zukunft, die bedrohlich nah wirkt und zwingt uns, über unsere Gegenwart nachzudenken. Dabei gibt es keine einfache Lösung, keinen klaren Weg, der aus dem Dilemma führt. Es ist ein Buch, das zeigt, wie kompliziert die Realität ist, und dass moralische Gewissheiten schnell ins Wanken geraten können, wenn die Umstände sich ändern.

Fazit: Ein eindringlicher Near-Future-Thriller

"Parts per Million" ist kein Wohlfühlroman, sondern ein aufrüttelndes, beunruhigendes Stück Literatur, das uns daran erinnert, wie wichtig der Kampf um den Planeten ist – und gleichzeitig fragt, was uns dieser Kampf kosten darf. Die Handlung entfaltet sich langsam, aber stetig, bis sie in einem Finale gipfelt, das den Leser atemlos zurücklässt. Es ist ein Buch für alle, die bereit sind, über die komplexen Zusammenhänge von Politik, Klimaschutz und persönlicher Verantwortung nachzudenken.

Für mich ist "Parts per Million" nicht nur ein Thriller, sondern ein Weckruf. 

7 von 10 Sternen.