Das Vermächtnis von John Grisham

Das Vermächtnis von John Grisham

Titel des Buches
Seiten: 480
Verlag: Heyne
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453274288
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Grisham im Leerlauf mit gelegentlichen Glanzmomenten
Bewertung: 6/10 ⭐

Inhalt:

Simon Latch ist ein kleiner Anwalt im ländlichen Virginia. Finanziell kommt er nur mit Müh und Not über die Runden, zudem geht seine Ehe in die Brüche. Dann betritt Eleanor Barnett sein Büro, eine ältere Witwe, die ein neues Testament braucht. Offenbar hat ihr Mann ihr ein gewaltiges Vermögen hinterlassen, von dem niemand etwas weiß. Simon behandelt den Auftrag streng vertraulich, aber die Nachricht von Eleanors Reichtum scheint durchzusickern. Als Eleanor Opfer eines Autounfalls wird, muss Simon erkennen, dass nichts so ist, wie es scheint. Kurz darauf findet er sich auf der Anklagebank wieder, der Vorwurf lautet Mord aus Habgier. Alle Indizien sprechen gegen ihn. Ihm bleibt nur eine Chance, sich zu retten: wenn er den wahren Mörder findet.

Review:

Man kehrt zu John Grisham zurück wie zu einem Restaurant, das einst großartig war. Die Erinnerung arbeitet für ihn, nicht der aktuelle Besuch. Das Vermächtnis ist ein solcher Abend: ordentlich gekocht, solide angerichtet, aber mit einem Nachgeschmack, der Fragen stellt.

Die Ausgangslage besitzt alles, was ein guter Justizthriller braucht. Ein Anwalt am Rand seiner Existenz, eine geheimnisvolle Witwe mit angeblich immensem Vermögen und ein Arrangement, das nach einem späten Glücksfall aussieht. Grisham versteht sein Handwerk noch immer, das merkt man sofort. Die Figuren haben Kontur, vor allem die Witwe ist ein kleines Kabinettstück. Aus der vermeintlich verwirrten alten Dame wird eine Figur von bemerkenswerter strategischer Kälte, die den Leser ebenso an der Nase herumführt wie ihren Anwalt.

Doch Grisham erlaubt sich hier eine erzählerische Nachlässigkeit, die man ihm früher nicht durchgehen ließ. Der Roman verliert sich in Gedankenschleifen, in Alltagsdetails, in einer Breite, die nichts hinzufügt, sondern vielmehr verdünnt. Spannung entsteht nicht durch Länge, sondern durch Verdichtung, und genau daran mangelt es diesem Buch über weite Strecken. Man wartet, dass etwas passiert, und ertappt sich dabei, wie man innerlich schon weiterblättert.

Wenn die Handlung schließlich in den Gerichtssaal wechselt, zeigt sich ein anderer Grisham. Plötzlich ist da wieder diese Präzision, diese fast dokumentarische Sicherheit im Ton, die seine besten Bücher getragen hat. Hier sitzt jeder Satz, hier bekommt das Verfahren Gewicht und Tempo. Für einen Moment glaubt man, der alte Meister habe sich zurückgemeldet.

Umso irritierender wirkt das Ende. Es ist kein raffinierter Schlusspunkt, sondern eher ein dramaturgischer Taschenspielertrick. Überraschung ersetzt hier Notwendigkeit, und das ist immer ein schlechtes Zeichen. Ein Twist darf verblüffen, aber er muss sich zugleich unausweichlich anfühlen. Genau das tut dieser nicht.

Am Ende bleibt ein Roman, der seine besten Momente aus der Vergangenheit borgt, ohne sie ganz zu erreichen. Lesbar, stellenweise sogar fesselnd, aber nie zwingend. Wer Grisham liebt, wird ihn wiedererkennen. Wer ihn vermisst hat, wird ihn hier nur in Fragmenten finden.

Das Vermächtnis von John Grisham Das Vermächtnis von John Grisham Reviewed by Darkybald on Sonntag, April 05, 2026 Rating: 5

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