Romeo und Julia von William Shakespeare

Romeo und Julia von William Shakespeare

Shakespeare - Romeo und Julia
Seiten: 112
Verlag: Anaconda
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 373061603X
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Shakespeares schönstes Missverständnis
Bewertung: 7/10 ⭐

Inhalt:

Die größte Liebesgeschichte aller ZeitenRomeo und Julia verlieben sich ineinander. Aber sie gehören zwei verfeindeten Familien im italienischen Verona an, den Montagues und Capulets, und müssen sich im Verborgenen treffen. Heimlich vermählen sie sich. Als Julia mit einem anderen verheiratet werden soll, entwickelt sich die Liebesgeschichte zur schönsten Tragödie der Weltliteratur. Bis heute stehen die Namen Romeo und Julia für die romantische Liebe schlechthin, Shakespeares Stück hat Kunst, Musik und Literatur für immer verändert. Neben »Hamlet« ist »Romeo und Julia« die bekannteste und beliebteste Tragödie aus seiner Feder. Hier als bibliophile Schmuckausgabe mit Glanzprägung.Die größte Liebesgeschichte der Welt als SchmuckausgabeSchöner kann man sich nicht auf ein Stück vorbereitenFast zu schön zum Verschenken

Review:

„Romeo und Julia“ ist weniger die größte Liebesgeschichte der Weltliteratur als vielmehr ihr gefährlichstes Missverständnis. Wer dieses Stück nur als Apotheose romantischer Hingabe liest, übersieht, dass Shakespeare hier kein Denkmal der Liebe errichtet, sondern eine Versuchsanordnung über jugendliche Raserei, gesellschaftliche Verrohung und die tödliche Trägheit der Erwachsenenwelt. Verona ist bei Shakespeare kein pittoresker Renaissance-Prospekt, sondern ein überhitzter öffentlicher Raum, in dem Männlichkeit ständig nach Blut riecht. Capulets und Montagues hassen einander längst aus Gewohnheit; der Ursprung des Konflikts ist unwichtig geworden, weil der Hass sich selbst genügt. In diese Atmosphäre platzen Romeo und Julia mit einer Liebe, die so schön ist, weil sie keine Erfahrung kennt, und so verhängnisvoll, weil sie keine Geduld besitzt. Romeo liebt zunächst eher das Lieben als eine Frau; Julia dagegen wächst innerhalb weniger Szenen über ihre Umgebung hinaus. Sie ist dreizehn, aber oft die klügste Person auf der Bühne. Ihre Tragik liegt nicht in Schwäche, sondern darin, dass ihre Entschlossenheit in einer Welt ohne Auswege erwacht. Shakespeares Größe zeigt sich darin, dass er diese beiden nicht lächerlich macht, obwohl sie lächerlich sein könnten. Ein heimlicher Kuss, eine überstürzte Ehe, ein Priester mit riskantem Rettungsplan, ein Brief, der nicht ankommt: Das Material grenzt an Kolportage. Doch Shakespeare verwandelt es in Musik und Mechanik zugleich. Über dem Stück steht von Beginn an das Wissen um den Tod; trotzdem fiebert man mit, als könne ein einziger vernünftiger Satz, eine rechtzeitig geöffnete Tür, ein weniger stolzer Mann alles verhindern. Gerade diese Mischung aus Vorherbestimmung und vermeidbarer Dummheit macht die Tragödie so bitter. Bemerkenswert ist auch, wie komisch dieses Stück sein kann. Mercutio, dieser funkelnde Störenfried, durchschaut die Pose der Liebenden ebenso wie die Pose der Kämpfer. Mit seinem Tod kippt das Stück: Aus Wortwitz wird Wunde, aus Spiel Ernst, aus jugendlichem Überschwang Katastrophe. Danach läuft alles mit der grausamen Präzision eines Uhrwerks. „Romeo und Julia“ ist also kein harmloses Hohelied auf die Liebe. Es ist ein Stück über Maßlosigkeit: maßlosen Hass, maßlose Leidenschaft, maßlose väterliche Gewalt, maßlose Ehre. Dass ausgerechnet die Liebe am Ende den Frieden erzwingt, ist Shakespeares dunkelste Pointe. Diese Jugendlichen sterben nicht, weil sie zu sehr lieben, sondern weil die Welt um sie herum zu wenig versteht. Ein frühes Stück, ja, gelegentlich rhetorisch üppig, manchmal theatralisch bis zum Anschlag. Aber wer sich darauf einlässt, liest kein Museumsstück, sondern ein fiebriges Drama, das noch immer trifft wie ein frisch gezogener Dolch.

Romeo und Julia von William Shakespeare Romeo und Julia von William Shakespeare Reviewed by Darkybald on Samstag, April 25, 2026 Rating: 5

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