The Sword of Kaigen von M.L. Wang

The Sword of Kaigen von M.L. Wang

Titel des Buches
Seiten: 624
Verlag: Adrian & Wimmelbuchverlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 398585274X
Kaufen: Amazon.de
Zwischen Pathos und Planlosigkeit
Bewertung: 3/10 ⭐

Inhalt:

Eine Mutter, die darum kämpft, ihre gewalttätige Vergangenheit zu verdrängen, ein Sohn, der darum kämpft, seine gewalttätige Zukunft zu begreifen, ein Vater, der blind ist für die Gefahr, die sie alle bedroht. Wird die Matsuda-Familie die Kraft haben ihr Reich zu verteidigen, wenn die Winde des Krieges ihre Halbinsel erreichen? Oder werden sie sich gegenseitig zerfleischen, bevor die wahren Feinde überhaupt die Küsten erreichen? Hoch oben an einem Berghang am Rande des Kaigenese-Reiches leben die mächtigsten Krieger der Welt, Übermenschen, die in der Lage sind, das Meer zu heben und Eisklingen zu schwingen. Seit Hunderten von Jahren haben die Kämpfer der Kusanagi-Halbinsel die Feinde des Imperiums in Schach gehalten und ihrer gefrorenen Landzunge den Namen "Das Schwert von Kaigen" eingebracht.


Der vierzehnjährige Mamoru wurde in die legendäre Matsuda-Familie von Kusanagi hineingeboren und kannte schon immer seine Bestimmung: die Kampftechniken seiner Familie zu beherrschen und seine Heimat zu verteidigen. Doch als ein Außenseiter auftaucht und den Vorhang über Kaigens angebliches Zeitalter des Friedens lüftet, wird Mamoru klar, dass er vielleicht nicht mehr viel Zeit hat, um zu dem Kämpfer zu werden, zu dem er herangezogen wird. Schlimmer noch, das Imperium, zu dessen Verteidigung er bestimmt ist, könnte auf einem Fundament von Lügen stehen.


Misaki sagte sich, dass sie die Leidenschaften ihrer Jugend hinter sich gelassen hatte, als sie in das Matsuda-Haus einheiratete. Entschlossen, eine gute Hausfrau und Mutter zu sein, versteckte sie ihr Schwert und alles aus ihrer Zeit als Kämpferin in einem fernen Land. Doch mit ihrem heranwachsenden Sohn, der Fragen über die Außenwelt stellt, der Bedrohung durch eine bevorstehende Invasion auf dem Meer und ihrem eiskalten Ehemann, der ihre Nerven reizt, findet Misakis Kämpfernatur wieder den Weg zurück an die Oberfläche.

Review:

Manchmal sind es gerade die laut bejubelten Romane, bei denen sich beim Lesen ein leiser Widerstand regt. The Sword of Kaigen von M.L. Wang ist ein solches Buch. Umgeben von einem fast einhelligen Chor der Begeisterung, entfaltet es auf den ersten Blick all jene Qualitäten, die große Fantasy verspricht, nur um sich im weiteren Verlauf zunehmend in Widersprüche zu verstricken, die man nicht ignorieren kann.

Wang entwirft eine Welt, die auf den ersten Blick fasziniert: ein eigenwilliges Amalgam aus pseudo-japanischer Tradition, moderner Technologie und elementarer Magie. Menschen schleudern Eis und Wind, während andernorts Satelliten kreisen, eine ästhetische Spannung, die durchaus ihren Reiz entfalten könnte. Auch sprachlich zeigt die Autorin immer wieder, dass sie Atmosphäre erzeugen kann, dass sie Räume und Emotionen mit sensorischer Präzision auflädt. Wenn dieses Buch funktioniert, dann in Momenten konzentrierter Intensität, insbesondere in den großen Kampfszenen, die vor Einfallsreichtum und kinetischer Wucht beinahe überquellen.

Doch genau hier beginnt das Problem: Diese Szenen sind nicht nur Höhepunkte, sie sind Überdehnungen. Was als dramatischer Kern gedacht ist, wächst sich zu epischer Selbstverliebtheit aus. Kämpfe dauern nicht Seiten, sondern Kapitel. Und während Schwerter aufeinandertreffen, verliert die Erzählung zunehmend das Gespür für Rhythmus. Das Resultat ist paradox: Ein Roman, der von spektakulären Ereignissen lebt und sich dennoch über weite Strecken unerquicklich zäh anfühlt.

Im Zentrum steht Misaki Matsuda, eine Figur, die offensichtlich als emotionales Rückgrat konzipiert ist. Eine Mutter, gefangen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen unterdrückter Identität und familiärer Pflicht. Das ist, auf dem Papier, ein vielversprechender Ansatz. Doch die Umsetzung schwankt. Misaki oszilliert zwischen Stärke und Apathie, zwischen Fürsorge und Distanz, ohne dass diese Widersprüche überzeugend ineinandergreifen. Ihre Entwicklung wirkt weniger wie ein organischer Prozess als wie eine Abfolge von Zuständen, die je nach dramaturgischem Bedarf aktiviert werden.

Hinzu kommt eine thematische Unentschlossenheit, die sich durch den gesamten Roman zieht. Ist dies eine Geschichte über familiäre Entfremdung? Über staatliche Propaganda? Über weibliche Selbstermächtigung in einem patriarchalen System? Oder doch ein Kriegsdrama? Wang scheint all diese Fragen gleichzeitig stellen zu wollen und beantwortet keine davon mit der nötigen Konsequenz. Der vielbeschworene Krieg etwa entpuppt sich eher als episodisches Ereignis denn als strukturierendes Element. Er kommt spät, explodiert kurz und verpufft dann in einem Nachklang, der sich über Hunderte Seiten zieht, ohne echte narrative Notwendigkeit zu entwickeln.

Auch strukturell wirkt der Roman erstaunlich unfokussiert. Perspektivwechsel unterbrechen mehr, als dass sie vertiefen. Spät eingeführte Handlungsstränge wirken wie nachträgliche Erweiterungen eines bereits abgeschlossenen Textes. Was als in sich geschlossenes Werk verkauft wird, hinterlässt den Eindruck eines Fragments, eines Auftakts, der nie entschieden hat, ob er tatsächlich beginnen will.

Und doch wäre es zu einfach, The Sword of Kaigen als bloß gescheitert abzutun. Dafür ist das handwerkliche Können zu offensichtlich. Die Welt besitzt Kontur, die Figuren zumindest in Ansätzen Tiefe und in den besten Momenten blitzt eine erzählerische Kraft auf, die erahnen lässt, was dieses Buch hätte sein können: ein intensives, vielschichtiges Familiendrama vor dem Hintergrund einer erschütterten Weltordnung.

So bleibt am Ende ein seltsam zwiespältiger Eindruck. Ein Roman, der gleichzeitig zu viel will und zu wenig erreicht. Der mit großem Gestus antritt, aber im entscheidenden Moment die Kontrolle über sich selbst verliert. Man legt ihn aus der Hand mit dem Gefühl, etwas Bedeutendes gelesen zu haben und zugleich mit der leisen Irritation, dass dieses Bedeutende nie ganz greifbar wurde.

The Sword of Kaigen von M.L. Wang The Sword of Kaigen von M.L. Wang Reviewed by Darkybald on Mittwoch, März 25, 2026 Rating: 5

Keine Kommentare