Das elfte Gebot von Jeffrey Archer
Das elfte Gebot von Jeffrey Archer 
Macht, Manipulation und das elfte Gebot: Überleben
Inhalt:
Connor Fitzgerald führt ein Doppelleben. In den Augen seiner Familie hat er eine bürgerliche Existenz, in Wirklichkeit ist er Spezialagent der amerikanischen Regierung und die tödlichste Waffe der CIA. Als er glaubt, seine Karriere beenden zu können, schickt ihn sein Arbeitgeber auf eine letzte Mission in das Herz des ehemaligen Todfeindes: nach Moskau. Dort gibt es einen Präsidentschaftskandidaten, der es auf eine militärische Konfrontation mit den USA abgesehen hat. Was Connor nicht weiß: Er selbst ist derjenige, der auf der Abschussliste steht. Eine politische Entscheidung, denn sein letzter Auftrag war ohne Wissen des Präsidenten erfolgt, und außer der CIA-Spitze ist er der einzige Zeuge. Erst als er, von seinem Informanten verraten, in der Todeszelle des KGB sitzt, beginnt er zu ahnen, dass er Opfer einer Intrige geworden ist.
Review:
Jeffrey Archer beherrscht seit Jahrzehnten die Kunst, seine Leser mit kalkulierter Präzision an die kurze Leine zu nehmen. In Das elfte Gebot versucht er es erneut mit dem Versprechen eines großen politischen Thrillers – Verrat im Machtzentrum Washingtons, eine tödliche Mission in Moskau, ein Mann zwischen Loyalität und Überleben. Man schlägt die ersten Seiten auf und spürt sofort dieses vertraute Soggefühl, das Archer so zuverlässig erzeugen kann. Doch was als Hochspannung beginnt, entpuppt sich zunehmend als ein Roman, der seine Ambitionen nicht ganz einlöst.
Im Zentrum steht Connor Fitzgerald, dekorierter Vietnam-Veteran, liebevoller Ehemann, professioneller Auftragsmörder im Dienst der CIA. Ein Mann mit doppeltem Boden – zumindest theoretisch. Denn genau hier beginnt das Problem: Diese Figur bleibt mehr Behauptung als lebendige Gestalt. Archer erzählt von Heldentum, Gewissenskonflikten und familiärer Bindung, doch selten werden diese Aspekte erzählerisch vertieft. Connor funktioniert als Motor der Handlung, nicht als psychologisch ausgeleuchteter Charakter. Das mag für einen Thriller genügen, doch es verhindert jene emotionale Fallhöhe, die große Spannungsliteratur auszeichnet.
Die eigentliche Gegenspielerin, eine machiavellistisch angelegte CIA-Direktorin, verspricht zunächst ein faszinierendes Machtspiel. Intrige gegen Intrige, Manipulation bis ins Oval Office hinein – das klingt nach politischer Brisanz. Archer zeigt durchaus Mut, das amerikanische Machtgefüge als Bühne für Skrupellosigkeit und Karrierismus zu nutzen. Doch die Konstruktion wirkt stellenweise grob gezimmert. Motivationen werden behauptet, nicht entwickelt. Wendungen erscheinen weniger zwingend als bequem. Manche Lösung wirkt wie eine narrative Abkürzung, gewählt aus Zweckmäßigkeit, nicht aus dramaturgischer Notwendigkeit.
Dabei besitzt der Roman zweifellos Qualitäten. Archer versteht Rhythmus. Die Kapitel sind kurz, die Szenen prägnant, die Perspektivwechsel effektiv. Man liest schnell, beinahe atemlos, getrieben von der Frage, wie dieses Katz-und-Maus-Spiel enden wird. Gerade im letzten Drittel zieht das Tempo deutlich an. Es ist jene Art von Buch, die man ungern aus der Hand legt – nicht, weil sie literarisch überwältigt, sondern weil sie erzählerisch effizient konstruiert ist. Ein Thriller im Modus des Dauerlaufs.
Allerdings leidet die Plausibilität unter der Beschleunigung. Die Tarnung des Protagonisten, seine beruflichen Manöver außerhalb des Geheimdienstes, manche politische Dynamik zwischen Washington und Moskau – all das verlangt vom Leser ein beträchtliches Maß an Wohlwollen. Wer bereit ist, Logiklücken als Kollateralschaden der Spannung zu akzeptieren, wird unterhalten. Wer präzise Motivführung und realistische Detailtreue erwartet, dürfte skeptischer reagieren.
Am Ende bleibt ein Roman, der sich liest wie ein gut kalkulierter Spielfilmstoff: klar konturierte Konflikte, dramatische Zuspitzungen, ein Finale mit Effekt. Große Literatur ist das nicht. Aber Archer war nie der Autor für stilistische Experimente oder psychologische Tiefenbohrungen. Er ist ein Erzähler, der das Handwerk des Spannungsaufbaus beherrscht – und hier zeigt er es solide, wenn auch nicht auf dem Niveau seiner stärksten Werke.
Das elfte Gebot ist kein Triumph, eher eine routinierte Pflichtübung eines routinierten Profis. Wer Archer liebt, wird auch hier genügend Nervenkitzel finden. Wer ihn an seinen besten Romanen misst, wird feststellen: Selbst Bestsellerautoren sind nicht unfehlbar – auch wenn ihr elftes Gebot vielleicht lautet, sich dabei niemals erwischen zu lassen.












Post a Comment