Die Chronik der Drachenlanze von Tracy Hickman, Margaret Weis

Die Chronik der Drachenlanze von Tracy Hickman, Margaret Weis 

Titel des Buches
Seiten: 1280
Verlag: Penhaligon 
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764533706
Kaufen: Amazon.de
Die ehrliche Naivität der großen Fantasy
Bewertung: 7/10 ⭐

Inhalt:

»Die Chronik der Drachenlanze« gehört ohne Zweifel zu den größten Klassikern der Fantasy-Literatur. Allein im deutschsprachigen Raum verschlangen hunderttausende Leser*innen die Romane über die Rückkehr der Drachen und die mächtigen Lanzen, welche als einzige Waffen die Bestien zu Fall bringen können. Endlich sind die Abenteuer der Helden der Drachenlanze wieder in gedruckter Form lieferbar. Alle drei Bände der Chronik der Drachenlanze gemeinsam in dieser prächtigen Sonderausgabe lassen die Herzen aller Drachenfans höherschlagen. Der hochwertig veredelte Einband, die farbigen Karten auf dem Vorsatz und die Schwarz-Weiß-Illustrationen im Innenteil machen dieses Buch zu einem echten Hingucker und einem begeisternden Geschenk.

Review:

Manche Fantasyzyklen verdanken ihren Rang weniger literarischer Raffinesse als einer historischen Wirkungsmacht, die sich erst im Rückblick vollständig erschließt. Die Chronik der Drachenlanze ist genau ein solches Werk. Tracy Hickman und Margaret Weis haben mit ihrer Trilogie keinen Gegenentwurf zur klassischen Fantasy geschrieben, sondern deren Reinform destilliert: pathetisch, direkt, voller Überzeugung. Das Ergebnis ist eine Erzählung, die sich nicht entschuldigt, nicht ironisiert und nichts dekonstruiert, sondern mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit an das glaubt, was sie erzählt. Genau das macht sie heute zugleich angreifbar und bemerkenswert.

Wer mit dem abgeklärten Blick eines modernen Fantasylesers nach Krynn zurückkehrt, wird schnell feststellen, dass hier kein literarisches Feinschmeckermenü serviert wird. Gut und Böse sind klar markiert, Emotionen werden nicht angedeutet, sondern ausformuliert, und erzählerische Überraschungen bewegen sich meist innerhalb vertrauter Bahnen. Die Chronik liebt die großen Gesten, die klare Moral, das Schicksalhafte. Das kann vorhersehbar wirken, gelegentlich auch unbeholfen. Doch gerade diese Unverfrorenheit verleiht der Trilogie ihre eigentümliche Kraft. Sie will nicht subtil sein, sondern wirksam. Und sie ist es.

Ihr größtes Kapital sind die Figuren, auch wenn sie streng genommen eher Archetypen als psychologisch fein modellierte Charaktere sind. Dennoch bleiben sie haften. Der zerrissene Halbelf, der ehrenbesessene Ritter, der brummige Zwerg, die idealisierte Liebe, die an der Realität scheitert. Vor allem aber der Magier Raistlin Majere, diese faszinierende Fehlstelle im moralischen Gefüge der Reihe. In ihm öffnet sich ein Abgrund, der über das klassische Abenteuermuster hinausweist. Sein Hunger nach Macht, sein Leiden, seine bewusste Abkehr vom Trost der Gemeinschaft verleihen der Chronik eine dunklere Note, die bis heute nachwirkt. Dass ausgerechnet diese Figur für viele Leser zur zentralen Identifikationsfigur wurde, spricht Bände über die unterschwellige Ambivalenz, die das Werk trotz aller Vereinfachung durchzieht.

Erzählerisch folgt die Trilogie einem klaren Spannungsbogen. Der erste Band lebt vom Zusammenfinden, vom Entwurf einer Welt, die sich großzügig öffnet und ihre Mythen beinahe beiläufig ausbreitet. Der zweite Band verschärft den Ton, zerlegt die Gemeinschaft und treibt die Handlung voran, nicht immer elegant, mitunter sprunghaft, aber spürbar ambitionierter. Der Abschluss schließlich findet zu erzählerischer Geschlossenheit zurück, zieht das Tempo an und gönnt selbst den Antagonisten eine Präsenz, die ihnen zuvor gefehlt hat. Nicht alles greift perfekt ineinander, manches wirkt hastig oder überladen, doch das Finale besitzt jene befriedigende Wucht, die man von einer klassischen Heldensage erwartet.

All dies gilt umso mehr für diese prachtvolle Gesamtausgabe, die dem Werk auch äußerlich den Rang eines Klassikers zuspricht. Der hochwertig veredelte Einband, die farbigen Karten, die Illustrationen im Innenteil machen unmissverständlich klar, dass hier nicht bloß Unterhaltung, sondern ein Stück Genre-Geschichte präsentiert wird. Dieses Buch will nicht nur gelesen, sondern besessen werden. Es ist ein Gegenstand, der Wertschätzung signalisiert und die erzählerische Welt von Krynn haptisch erfahrbar macht.

Die Chronik der Drachenlanze ist keine große Literatur im strengen, akademischen Sinn. Aber sie ist große Fantasy im ursprünglichen Verständnis des Wortes: ein offenes Tor, durch das zahllose Leserinnen und Leser erstmals in andere Welten getreten sind. Man mag heute komplexere, düsterere, formal gewagtere Romane bevorzugen. Doch man vergisst selten die Reise, mit der alles begann. In dieser Ausgabe erinnert die Drachenlanze daran, warum Fantasy überhaupt die Kraft besitzt, Generationen zu prägen.

Die Chronik der Drachenlanze von Tracy Hickman, Margaret Weis Die Chronik der Drachenlanze von Tracy Hickman, Margaret Weis Reviewed by Darkybald on Dienstag, Januar 06, 2026 Rating: 5

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