Woman Down von Colleen Hoover

Woman Down von Colleen Hoover

Titel des Buches
Seiten: 416
Verlag: dtv
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423285494
Kaufen: Amazon.de
Zu persönlich, zu leer, zu lang
Bewertung: 4/10 ⭐

Inhalt:

Der Shitstorm um die Verfilmung ihres Romans stürzte Bestsellerautorin Petra Rose in eine Schreibkrise. Sie hat erlebt, wie es sich anfühlt, wenn sich das Internet gegen einen wendet. Nur mithilfe ihrer Kollegin Nora findet sie allmählich zur Normalität zurück: Sie geht wieder live online und mietet eine abgelegene Hütte am See, um endlich ihren nächsten Thriller zu schreiben. 

Dann taucht er plötzlich auf.

Nathaniel, ein Detective, berichtet von einem verstörenden Ereignis in unmittelbarer Nähe. Er ist das Ebenbild des Cops in ihrem Roman – und heizt Petras Kreativität unerwartet an. Nie hat sie sich lebendiger gefühlt, als wenn er sie berührt. Doch das Spiel, auf das sie sich einlässt, ist gefährlich und bedroht ihre Existenz …

Review:

Colleen Hoover ist eine Autorin, die wie kaum eine andere vom unmittelbaren Austausch mit ihrem Publikum lebt. Ihre Bücher suchen Nähe, sie wollen berühren, verstanden werden, im besten Fall sogar trösten. Woman Down jedoch wirkt, als habe sich diese Nähe gegen den Text selbst gewendet. Statt eines Romans, der nach außen erzählt, liest man hier ein Buch, das unablässig nach innen spricht – und dabei vergisst, dass Literatur mehr sein muss als ein gut gemeinter Seelenstriptease.

Im Zentrum steht eine Schriftstellerin, die nach einem öffentlich gescheiterten Filmprojekt, digitaler Häme und lähmender Schreibblockade den Rückzug antritt. Was als psychologisch interessante Ausgangslage taugt, wird jedoch mit einer solchen Ausdauer ausgewalzt, dass sich früh Ermüdung einstellt. Hoover insistiert auf dem seelischen Zustand ihrer Figur, wiederholt Gedanken, Stimmungen und Rechtfertigungen in leicht variierter Form, bis man das Gefühl hat, weniger einen Roman zu lesen als einem inneren Monolog ohne Lektor beizuwohnen. Die ausdrücklich formulierte Versicherung, diese Geschichte habe nichts mit der Autorin selbst zu tun, verstärkt den gegenteiligen Eindruck nur noch. Je vehementer der Text Distanz behauptet, desto deutlicher verschwimmt die Grenze zwischen Fiktion und persönlicher Abrechnung.

Erzählerisch bleibt Woman Down über weite Strecken erstaunlich spannungsarm. Das Buch wird als Thriller oder zumindest als düstere Romantic Suspense gehandelt, verweigert sich aber lange jeder echten Zuspitzung. Stattdessen entfaltet sich eine Beziehung, die weniger elektrisierend als befremdlich wirkt. Grenzüberschreitungen werden romantisiert, bedrohliche Situationen als erotische Intensität missverstanden. Was als dunkle Anziehung gedacht ist, kippt immer wieder ins Unbehagliche, nicht weil es mutig wäre, sondern weil es erzählerisch unreflektiert bleibt. Wenn schließlich ein größerer Twist präsentiert wird, blitzt kurz das alte Hoover’sche Gespür für Wendungen auf – nur um kurz darauf ins Leere zu laufen. Die Enthüllung verändert wenig, verschärft nichts und hinterlässt vor allem die Frage, warum all das zuvor so umständlich vorbereitet wurde.

Dabei wäre es unfair zu behaupten, Hoover habe ihr Handwerk verlernt. Das Buch liest sich schnell, teilweise geradezu gierig, und einzelne dramaturgische Kniffe funktionieren durchaus. Auch die innere Entwicklung der Hauptfigur ist erkennbar und nicht völlig belanglos. Doch all das steckt in einem Text, der sich zu sehr um seine eigene Rechtfertigung dreht und zu wenig um narrative Konsequenz. Themen wie öffentliche Kritik, künstlerische Verletzbarkeit und kreative Krise hätten literarische Schärfe verdient. Stattdessen werden sie in Endlosschleifen beschworen, bis sie ihre Wirkung verlieren.

Am Ende fühlt sich Woman Down an wie ein Roman, der zu groß für seine Idee geworden ist. Vieles wirkt aufgebläht, repetitiv, unfertig gedacht. Es ist kein völliger Fehltritt, aber ein deutlicher Tiefpunkt im Werk einer Autorin, die bewiesen hat, dass sie emotionale Wucht und erzählerische Präzision vereinen kann. Wer Colleen Hoover seit Jahren liest, wird auch dieses Buch nicht liegen lassen. Begeisterung aber stellt sich kaum ein. Woman Down stolpert über seine eigene Intention – und bleibt genau dort liegen.

Woman Down von Colleen Hoover Woman Down von Colleen Hoover Reviewed by Darkybald on Donnerstag, Januar 29, 2026 Rating: 5

Keine Kommentare