Querfeldein von Alex Capus 🎧 Hörbuch
Querfeldein von Alex Capus 🎧 Hörbuch
Vom Glück, den eigenen Weg zu gehen
Handlung:
Ein Gasthof, eine Familie und die große Frage: Wie findet man innere Ruhe im Leben?In einem Schweizer Dorf an der Grenze zu Deutschland führt vor 100 Jahren der junge Wirt Arnold einen Gasthof. Bunte Vögel und düstere Gestalten überqueren die Grenze, manche kommen auch nachts und querfeldein. Am Stammtisch sitzen die Witzbolde aus dem Dorf. Eines Tages naht eine Fremde hoch zu Ross durch den Schnee. Ihr Name ist Betty. Arnold heiratet sie und bekommt mit ihr acht Kinder. Das Leben nimmt seinen Lauf, bis sich die älteste Tochter Clara 1933 in einen Schmuggler namens Hermann verliebt. Der bringt die Uniformierten auf beiden Seiten der Grenze gegen sich auf. Es kommt zum Drama – und das Dorf erhebt sich gegen eine Großmacht.Alex Capus ist ein Meister darin, aus historischen Stoffen, große Romane zu machen – und große Hörbücher. Ungekürzte Lesung mit Alex Capus1 MP3-CD, 7h 10min
Review:
Alex Capus erzählt in „Querfeldein“ von Menschen, die offenbar früh verstanden haben, dass ein vernünftiges Leben nicht zwingend darin besteht, vernünftig zu leben. Allen voran Arnold, der sich weigert, sein Dasein in Lohnarbeit zu verbringen, und schließlich einen Gasthof an der Schweizer Grenze eröffnet. Ich mochte diesen Mann sofort. Nicht, weil er ein Held wäre, sondern weil er keiner sein will.
Überhaupt liegt die Stärke des Romans für mich in seinen Figuren. Betty, Clara, Arnold: allesamt eigenwillige Menschen, die Capus nicht psychologisch seziert, sondern mit wenigen präzisen Strichen zeichnet. Besonders sympathisch ist mir, wie selbstverständlich hier Freiheit innerhalb einer Familie funktioniert. Niemand wird umerzogen, niemand muss sich passend machen.
Capus erzählt das mit trockenem Humor und angenehm unaufgeregter Sprache. Allerdings ist diese Gelassenheit zugleich das größte Problem des Romans. Bis Hermann, der Schmuggler, auftaucht und die Geschichte mit dem nationalsozialistischen Deutschland kollidiert, vergeht viel Zeit. Einige dieser erzählerischen Feldwege hätte man getrost abkürzen können.
Im letzten Drittel gewinnt „Querfeldein“ deutlich an Kraft. Aus der gemütlichen Dorfchronik wird eine Geschichte über Willkür, Mut und die erstaunliche Wirkung von Menschen, die sich gemeinsam weigern, einen Übergriff hinzunehmen. Dass dahinter eine tatsächlich überlieferte Begebenheit steht, gibt dem Ganzen zusätzliches Gewicht.
Gehört habe ich die Hörbuchfassung, gelesen von Alex Capus selbst. Und hier trennen sich für mich Buch und Hörbuch deutlich. Ich schätze es grundsätzlich, wenn Autoren ihre eigenen Texte lesen. Schließlich weiß niemand besser, welchen Ton sie im Kopf hatten. Bei Capus funktioniert das für mich trotzdem nicht besonders gut. Sein ausgeprägtes Schweizer Hochdeutsch besitzt zwar Persönlichkeit und bei einer Lesung vermutlich auch Charme, über mehrere Stunden wird es für mich jedoch eher zur Hürde. Angesichts der Vielzahl hervorragender professioneller Hörbuchsprecher hätte ich mir hier tatsächlich eine andere Besetzung gewünscht. Der Satz eines anderen Hörers bringt meinen Eindruck ziemlich genau auf den Punkt: Was bei einer Autorenlesung Originalität besitzt, funktioniert nicht automatisch als Hörbuch.
Für mich ist „Querfeldein“ nicht Capus auf dem Gipfel seiner Möglichkeiten. Dafür bleibt manches zu beiläufig und emotional etwas zu weit entfernt. Trotzdem ist das ein warmherziger, kluger und wunderbar eigensinniger Roman, angenehm frei von literarischem Imponiergehabe.
Ein gutes Buch über Eigensinn, Anstand und die Kunst, sich von Idioten nicht einschüchtern zu lassen. Nur anhören würde ich es beim nächsten Mal lieber mit einem anderen Sprecher.













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