Red City von Marie Lu
Red City von Marie Lu
Alchemisten-Mafia mit angezogener Handbremse
Inhalt:
»Romeo & Julia« meets »Der Pate« – ein brutaler und herzzerreißender Urban Fantasy-Roman über zwei Jugendfreund:innen, die füreinander bestimmt sind, sich jedoch auf unterschiedlichen Seiten eines Bandenkriegs wiederfinden.Willkommen in Angel City. Einer Stadt, in der die Geheimnisse der Alchemie die einzig wahre Währung und Verbrechersyndikate die wahren Herrscher sind. Die magische Droge »Sand« verleiht den Eliten Perfektion, doch auf den Straßen fordert die Gang-Rivalität ihren blutigen Tribut.Sam kennt nur Armut und den unbändigen Willen, zu überleben. Um sich und ihrer Mutter ein besseres Leben zu ermöglichen, taucht sie in die Schattenwelt des Syndikats Grand Central ein. Doch ihr Aufstieg dort bringt sie auf direkten Kollisionskurs mit dem Syndikat Lumines – und mit Ari, dem Jungen, der einst ihr bester Freund war.Ari ist im Kartell groß geworden und ebenso wie Sam ein magisches Ausnahmetalent. Nun stehen sie sich als Feinde gegenüber. Während der Krieg um Angel City unausweichlich näher rückt, verstricken sich Sam und Ari in ein tödliches Netz aus Gewalt, Intrigen, dunkler Magie und einer Liebe, die heller brennt als jedes alchemistische Feuer. Werden ihre Gefühle füreinander stark genug sein, den Abgrund zu überwinden, an dem sie stehen?Mit ihrem fulminanten Erwachsenendebüt beweist Bestsellerautorin Marie Lu (»Legend«) ihr Gespür für moralisch graue Figuren und ganz große Gefühle. Ein düsteres, atemberaubendes Must Read für alle Fans von V. E. Schwab und R. F. Kuang!***»Sexy, brutal und überall lauert das Unheil. Lu inszeniert ihre Geschichte einer Liebe, die nicht sein darf, vor der glitzernden Kulisse von Ehrgeiz und Gier, und das Ergebnis ist ebenso emotional verheerend wie faszinierend. Ich habe es geliebt.« Olivie Blake, SPIEGEL-Bestsellerautorin von The Atlas Six»Marie Lus bezaubernder Roman über rivalisierende Magier:innen und unmögliche Entscheidungen wird Ihr Herz brechen.« Holly Black, Autorin der Elfenkrone- und Book of Night-Reihen»Eine atemberaubende neue Welt mit moralisch ›grauen‹ Figuren, die Ihr Herz stehlen werden – ich konnte es nicht aus der Hand legen.« Katee Robert, Autorin der Dark Olympus-Reihe»Lu entwirft eine vielschichtige alternative Gegenwart und übernimmt literarische Konventionen aus dem Magieschulen- und dem Krimi-Genre, um damit eine süchtigmachende zweifache ›Chosen One‹-Story zu erzählen (…) Unglaublich mitreißend.« Publishers Weekly
Review:
Marie Lu hat für „Red City“ eigentlich alles auf dem Tisch, was mich sofort neugierig macht: ein alternatives Los Angeles, zwei rivalisierende Verbrechersyndikate, Alchemie als Machtinstrument und eine Droge namens „Sand“, die Schönheit, Charisma und gesellschaftlichen Aufstieg verspricht. Eine magische Mafia also. Das klingt herrlich finster, dekadent und gefährlich. Umso erstaunlicher, wie wenig elektrisierend das Ergebnis über weite Strecken ausfällt.
Das größte Problem liegt für mich ausgerechnet dort, wo Lu offenbar das emotionale Zentrum ihres Romans sieht: bei Sam und Ari. Wir begleiten die beiden von ihrer Jugend bis ins Erwachsenenleben, sehen sie auf gegnerischen Seiten aufsteigen und sollen glauben, dass zwischen ihnen eine beinahe schicksalhafte Verbindung besteht. Nur spüre ich davon erstaunlich wenig. Dafür verbringt der Roman sehr viel Zeit damit, diese Beziehung vorzubereiten. Briefe, Erinnerungen, Sehnsucht, spätere Beziehungen mit anderen Menschen. Das alles soll Spannung erzeugen, wirkt aber häufig wie ein sehr langer Anlauf für etwas, dessen Ausgang ohnehin früh auf der Hand liegt.
Gerade deshalb ist es schade, dass Lu ihr eigentlich faszinierenderes Material so oft zur Kulisse degradiert. Die Syndikate, ihre Machtstrukturen und der Handel mit Alchemie hätten problemlos einen großen, schmutzigen Gangsterroman tragen können. „Sand“ ist als Idee stark, weil darin Gier, Klassengesellschaft und Selbstoptimierung zusammenlaufen. Wer reich genug ist, kann buchstäblich mehr aus sich machen. Auch dass die Organisationen gezielt Menschen aus prekären und migrantischen Verhältnissen rekrutieren, besitzt gesellschaftlichen Biss. Doch vieles davon wird angerissen, ohne wirklich tief hineinzuschneiden.
Am besten funktioniert „Red City“ für mich immer dann, wenn Lu ihre Liebesgeschichte kurz vergisst. Die Alchemie hat einen Preis, Transmutation kostet Kraft und schließlich Teile dessen, was einen Menschen ausmacht. Kämpfe können entsprechend brutal werden. Hier bekommt die Welt plötzlich Gewicht. Auch Sams kompliziertes Verhältnis zu ihrer Mutter besitzt mehr Reibung und emotionale Wahrheit als manche der großen romantischen Szenen.
Ari bleibt dagegen merkwürdig blass. Ständig wird behauptet, wie charismatisch und außergewöhnlich er sei. Nur müsste Charisma irgendwann auch auf der Seite ankommen. Zu oft wirkt er eher wie eine Figur, über deren faszinierende Wirkung gesprochen wird, anstatt sie tatsächlich zu besitzen. Sam ist interessanter, widersprüchlicher und menschlicher, kann den Roman aber nicht allein tragen.
Hinzu kommt ein seltsames Tonproblem. „Red City“ möchte erkennbar erwachsener sein als Lus frühere YA Romane. Also gibt es mehr Gewalt, Sex und moralische Grauzonen. Gleichzeitig bleiben Figurenzeichnung, romantische Dramaturgie und manche Konflikte deutlich in bekannten Jugendbuchmustern verhaftet. Das wirkt weniger wie ein konsequenter Schritt in die Erwachsenenliteratur als wie ein YA Roman, der sich eine Zigarette anzündet und hofft, niemand frage nach dem Ausweis.
Dabei liest sich das alles keineswegs schlecht. Lu kann Szenen bauen, ihre Welt besitzt Atmosphäre, und Angel City hat dieses reizvolle Gemisch aus Glanz und Verfall. Gerade deshalb frustriert mich das Buch. Das Potenzial steht praktisch auf jeder Seite herum und wartet darauf, benutzt zu werden.
„Red City“ hätte ein Roman über Macht, Abhängigkeit, soziale Herkunft und korrumpierende Magie werden können. Stattdessen ist es vor allem eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, deren Beziehung mich weit weniger interessiert hat als die Welt, in der sie leben. Marie Lu baut eine Alchemisten Mafia auf und lässt sie dann erstaunlich oft im Hintergrund stehen. Das ist nicht schlecht. Fast schlimmer: Es ist ziemlich ordentlich.
Und für dieses großartige Grundkonzept ist ordentlich einfach zu wenig.













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