Eternia von Andreas Brandhorst
Eternia von Andreas Brandhorst
Großes Universum, vertraute Sterne
Inhalt:
Kann die Menschheit in den unergründlichen Weiten des Alls auf ewig überleben?Unsere Galaxis, in der fernen Zukunft. Die ewige Republik Eternia vereint zehntausend Sonnensysteme, kontrolliert von den Bewahrern, einer Kaste besonders langlebiger Menschen. Die unsterbliche Souveränin Amaya Mo regiert Eternia von der Zentralwelt Proxima aus. Als ein Raumschiff auf dem Planeten Arkturion abstürzt, wird die einzige Überlebende, das Mädchen Sinja, von den dort lebenden Arachniden aufgezogen. Dreißig Jahre später ist Sinja in der ganzen Galaxis als »Xaka« bekannt, eine mit Wunderkräften begabte Heilige. Als ein Bewahrer ausgesandt wird, um das Geheimnis von Sinjas Kräften zu erforschen und sie zu töten, setzt das Ereignisse in Gang, die das Schicksal der galaktischen Republik Eternia für immer verändern werden.Der Auftakt zur großen Zukunftssaga von Science-Fiction-Großmeister und SPIEGEL-Bestsellerautor Andreas Brandhorst
Review:
Andreas Brandhorst tut in „Eternia“ genau das, was Andreas Brandhorst am liebsten tut: Er baut keine Welt, er baut gleich ein Universum. Am besten eines, das ein paar Jahrtausende Zukunft, mehrere außerirdische Zivilisationen, kosmische Katastrophen und das Schicksal der gesamten Menschheit unter einen ausreichend großen erzählerischen Hut bekommt. Wer seine Romane kennt, dürfte sich deshalb schon nach wenigen Seiten heimisch fühlen. Willkommen im Brandhorst-Multiversum.
Mehr als siebentausend Jahre nach dem Untergang der Erde hat sich die Menschheit über den Weltraum ausgebreitet und mit dem Regnum Eternia ein galaktisches Imperium geschaffen, dessen Name bereits jene Hybris verrät, die großen Reichen traditionell nicht besonders gut bekommt: den Anspruch auf Ewigkeit. Brandhorst interessiert sich dabei weniger für Raumschlachten und technische Spielereien als für die Frage, wie eine Zivilisation Bestand haben kann, wenn sie ihre eigene Zukunft berechnen möchte. Prognostiker untersuchen mögliche Entwicklungen, politische Entscheidungen werden zu Variablen einer gigantischen Gleichung, und irgendwo zwischen Sicherheit, Freiheit, Loyalität und Macht beginnt die vermeintliche Kontrolle über die Zukunft selbst gefährlich zu werden.
Das ist gutes Brandhorst-Terrain. Sehr gutes sogar. Seine außerirdischen Spezies sind tatsächlich fremd und nicht bloß Menschen mit anderen Ohren, seine Schauplätze besitzen Größe und seine Ideen entfalten jene kosmische Wucht, wegen der ich seine Science Fiction gerne lese. Wer die „Omni“-Romane kennt, wird hier manches Verwandte entdecken. Nicht als Kopie, wohl aber als Variation bereits etablierter Motive. Große Zivilisationen, übermächtige Strukturen, Evolution, Schicksal, Prognosen, Macht und die Frage, was vom Menschen übrig bleibt, wenn seine Möglichkeiten beinahe grenzenlos werden. Brandhorst spielt erneut mit seinem bekannten Instrumentarium und beherrscht es nach wie vor ausgezeichnet.
Genau darin liegt allerdings auch die Schwäche von „Eternia“. Wirklich neu fühlt sich erstaunlich wenig an. Brandhorst arrangiert bekannte Themen neu, statt seinen eigenen Kosmos grundsätzlich zu verlassen. Das Ergebnis ist keineswegs langweilig, aber gelegentlich ausgesprochen vertraut. Man erkennt nicht unbedingt die einzelnen Möbelstücke wieder, wohl aber den Einrichtungsstil.
Auch bei den Figuren bleibt Brandhorst seinen Gewohnheiten treu. Sinja Trakis und Marek Zimber sind interessant genug, um die Handlung zu tragen, aber sie wirken häufig stärker als Träger großer Ideen denn als Menschen aus Fleisch, Blut und Widersprüchen. Brandhorsts eigentliche Hauptfiguren sind ohnehin selten seine Figuren. Es sind seine Welten. Seine Imperien. Seine Jahrtausende. Seine großen Fragen. Das kann man bedauern, wenn man psychologische Feinzeichnung sucht. Ich habe mich inzwischen damit arrangiert. Bei Brandhorst erwartet schließlich auch niemand einen Kammerspielroman über eine zerrüttete Ehe in Bielefeld.
Stilistisch besitzt „Eternia“ viel von jener klassischen Science Fiction, mit der Brandhorst selbst sozialisiert wurde. Das hat Würde und gelegentlich etwas angenehm Monumentales, kann aber ebenso ins Feierliche kippen. Manche Passage trägt ihre Bedeutung sehr sichtbar vor sich her. Ein wenig mehr Leichtigkeit und erzählerische Unberechenbarkeit hätten diesem gewaltigen Zukunftsentwurf gutgetan.
Trotzdem funktioniert „Eternia“. Gerade weil Brandhorst dort schreibt, wo er sich am wohlsten fühlt. Er entwirft eine Welt, bei der man wissen möchte, was hinter der nächsten Sternengrenze wartet und welche Risse sich hinter der glänzenden Fassade eines angeblich ewigen Imperiums auftun werden. Für Kenner seines Werks ist das weniger Revolution als Heimkehr. Für Fans dürfte genau das ein ziemlich gutes Argument sein.
„Eternia“ erfindet Andreas Brandhorst nicht neu. Aber es erinnert daran, weshalb er im deutschsprachigen Raum zu den wenigen Autoren gehört, denen man ein galaktisches Imperium tatsächlich abnimmt. Nicht sein originellster Roman, nicht seine stärksten Figuren, aber ein überzeugender Auftakt mit genügend kosmischem Größenwahn, philosophischen Fragen und erzählerischem Potential, um mich auch zum zweiten Band greifen zu lassen.













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