Die Retter der Zeit von Adrian Tchaikovsky
Die Retter der Zeit von Adrian Tchaikovsky
Zu viele Ideen für einen Roman – und genau deshalb faszinierend
Inhalt:
Der atemberaubende vierte Band von Adrian Tchaikovskys gewaltiger Space-Opera »Kinder der Zeit«Alis erwacht an Bord eines Generationenschiffes nach einer Katastrophe. Außer ihr haben nur noch ihr Captain und die Schiffs-KI überlebt – doch was ist passiert? Was ist mit der Crew geschehen? Und was hat es mit dem Planeten, den sie umkreisen, auf sich? Für Alis beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit …
Review:
Adrian Tchaikovsky hat ein beneidenswertes Problem: Ihm fallen schlicht zu viele gute Ideen ein. „Die Retter der Zeit“ ist dafür das beste Beispiel. Evolution, künstliche Intelligenz, verschobene Identitäten, größenwahnsinnige Terraformer und ein bewaffneter Fangschreckenkrebs namens Cato. Bei anderen Autoren wäre das Stoff für eine ganze Karriere. Tchaikovsky packt es in einen Roman.
Am stärksten ist das Buch für mich immer dann, wenn es wirklich fremd wird. Tchaikovsky kann Intelligenzen erschaffen, die völlig anders funktionieren als wir und trotzdem Persönlichkeit besitzen. Cato ist dabei ein kleines Meisterstück: absurd, komisch, gefährlich und erstaunlich liebenswert. Dass ein riesiger Krebs mit Hang zur körperlichen Problemlösung zu den überzeugendsten Figuren des Romans gehört, sagt einiges über Tchaikovskys Talent.
Auch die Terraformer gefallen mir. Eine Gruppe selbsternannter Genies versucht, einen Planeten nach ihren Vorstellungen zu formen. Natürlich geht das schief. Tchaikovsky macht daraus eine ziemlich bissige Satire auf Größenwahn, Macht und die fatale Verwechslung von Reichtum mit Kompetenz.
Nur hätte jemand dem Autor gelegentlich sagen dürfen: Adrian, die Idee haben wir verstanden.
Der Roman ist zu lang, zu verschachtelt und besonders am Anfang unnötig sperrig. Zeitebenen, Perspektiven und Identitäten werden so lange ineinandergeschoben, bis man eher die Konstruktion bewundert als mit den Figuren mitfiebert. Ein entschlossener Lektor mit rotem Stift hätte hier vermutlich Wunder gewirkt.
Trotzdem bleibt Tchaikovsky faszinierend. Hinter all dem biologischen und technologischen Irrsinn steckt eine kluge Frage: Was bleibt eigentlich von einem Ich übrig, wenn Bewusstsein kopiert, verändert oder geteilt werden kann?
„Die Retter der Zeit“ ist für mich nicht der beste Band der Reihe und erreicht nicht die Eleganz von „Die Kinder der Zeit“. Aber selbst ein überladener Tchaikovsky ist noch aufregender als viel ordentlich produzierte Science Fiction.
Dieses Buch hätte niemand gebraucht. Nach der Lektüre bin ich trotzdem froh, dass es existiert.













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