Das Ende der Sterne von Peter Heller

Das Ende der Sterne von Peter Heller

Das Ende der Sterne
Erscheinungsjahr: 2026
Seiten: 384
Verlag: Heyne Verlag
Sprache: Deutsch
Originaltitel: The Dog Stars
ISBN-10: 3453324331
Kaufen: Amazon.de

Wenn Überleben allein nicht reicht

Bewertung: 6,5/10 ⭐

Inhalt:

Das anrührende Porträt eines Mannes, der auch angesichts dramatischer Umstände die Hoffnung und den Glauben an die Menschlichkeit nicht verliertNach einer globalen Katastrophe hat Hig noch drei Dinge, für die es sich zu leben lohnt: Seinen Hund Jasper, seinen aggressiven, aber hilfsbereiten Nachbarn, und seine Cessna. Solange er nur Kurzstrecken fliegt und Treibstoff spart, kommt er über die Runden. Doch eines Tages empfängt er eine Nachricht von einem anderen Piloten. Gibt es irgendwo dort draußen noch ein anderes, ein besseres Leben? Diese Frage lässt Hig nicht mehr los, und schließlich folgt er der Stimme aus seinem Funkgerät und fliegt los, obwohl er genau weiß, dass er nicht genug Treibstoff hat, um wieder nach Hause zurückzukehren. Was er dort draußen erlebt, ist beängstigender und lebensbejahender als alles, was er sich je hätte vorstellen können …

Review:

Peter Hellers „Das Ende der Sterne“ ist ein Roman, der sehr genau weiß, dass er Literatur sein möchte. Leider weiß er es manchmal ein bisschen zu genau.

Die Ausgangslage ist stark: Die Welt ist weitgehend leergefegt, Hig lebt mit seinem Hund Jasper auf einem verlassenen Flugplatz, daneben haust Bangley, ein Mann, der vermutlich schon vor der Apokalypse fand, dass Misstrauen eine Tugend und Munition eine Form von Altersvorsorge sei. Hig hingegen hält hartnäckig an der Idee fest, dass Menschlichkeit vielleicht doch mehr sein könnte als eine hübsche Erinnerung aus besseren Zeiten.

Diese Reibung zwischen beiden Figuren trägt das Buch. Bangley ist brutal, paranoid und trotzdem erstaunlich lebendig gezeichnet. Hig dagegen ist verletzlicher, nachdenklicher und moralisch unbequemer. Vor allem seine Beziehung zu Jasper gibt dem Roman eine Wärme, die er sich an anderer Stelle mit deutlich mehr Aufwand erarbeiten muss. Wo Heller schlicht erzählt, trifft er. Wo er unbedingt bedeutend sein will, wird es schwieriger.

Denn sprachlich fährt dieser Roman gern mit eingeschaltetem Warnblinker durch die Hochliteratur. Abgebrochene Sätze. Fragmente. Gedankenfetzen. Bedeutungsvolle Pausen. Noch ein Fragment. Das funktioniert eine Weile hervorragend, weil es zu Higs beschädigtem Innenleben passt. Irgendwann wirkt es allerdings weniger wie seelische Zerrüttung und mehr wie ein Autor, der neben jedem Satz steht und flüstert: Hast du gesehen, wie literarisch das war?

Besonders gelungen ist die erste Hälfte. Hier geht es tatsächlich um Verlust, Einsamkeit, Gewalt und die unangenehme Frage, ob Anstand im falschen Moment nicht einfach eine andere Form von Selbstmord ist. Das ist düster, ruhig und oft sehr gut.

Dann allerdings macht sich Hig auf den Weg, und mit ihm verabschiedet sich leider auch ein Teil der Eigenwilligkeit des Romans. Plötzlich bekommt die Geschichte genau jene Hoffnung injiziert, vor der sie sich vorher so überzeugend gedrückt hat. Begegnung, Nähe, mögliche Liebe, Neuanfang. Der Weltuntergang erhält gewissermaßen eine dramaturgische Wohlfühlzone.

Das ist nicht schlecht geschrieben. Heller kann zweifellos schreiben. Aber plötzlich wird aus einem sperrigen, melancholischen Roman über das Weiterleben eine deutlich konventionellere Geschichte darüber, warum sich Weiterleben eben doch lohnt. Mir ist das ein wenig zu sauber, zu tröstlich, zu ordentlich zusammengesetzt.

Und genau deshalb bleibt bei mir ein zwiespältiger Eindruck. „Das Ende der Sterne“ enthält starke Figuren, eine hervorragende Atmosphäre und einige Passagen, die lange hängen bleiben. Gleichzeitig leidet der Roman unter jener sehr amerikanischen Form literarischer Selbstgewissheit, bei der jeder abgebrochene Satz schon halb auf seine Aufnahme in einen Creative-Writing-Kurs hofft.

Ein guter Roman also. Stellenweise sogar ein sehr guter. Nur hätte ich mir gewünscht, Heller hätte seiner Geschichte etwas mehr vertraut und seiner Literaturpose etwas weniger.

Manchmal ist ein Weltuntergang schließlich schon bedeutend genug.

Das Ende der Sterne von Peter Heller Das Ende der Sterne von Peter Heller Reviewed by Darkybald on Donnerstag, Oktober 29, 2026 Rating: 5

Keine Kommentare