Lady Trents Memoiren 4: Im Labyrinth der Draken von Marie Brennan

Lady Trents Memoiren 4: Im Labyrinth der Draken von Marie Brennan

Lady Trents Memoiren 4: Im Labyrinth der Draken
Erscheinungsjahr: 2026
Seiten: 384
Verlag: Cross Cult Entertainment
Sprache: Deutsch
Originaltitel: In the Labyrinth of Drakes
ISBN-10: 3986668292
Kaufen: Amazon.de

Drachenforschung mit Herz, Hirn und Wüstenstaub

Bewertung: 8/10 ⭐

Inhalt:

Lady Trents Entdeckungen in Akhien sind der Stoff romantischer Legenden und haben sie von akademischer Bedeutungslosigkeit zu weltweitem Ruhm katapultiert. Die Details ihres Privatlebens während jener Zeit sind ebenso bekannt und haben bis über die Landesgrenzen hinaus für Aufregung gesorgt. Doch, wie es in der Karriere dieser schillernden Frau so oft der Fall ist, ist die Geschichte, welche die Öffentlichkeit kennt, bei Weitem nicht vollständig. Im vierten Band ihrer Memoiren erzählt Lady Trent, wie sie zu ihrer Anstellung bei der Scirländischen Königlichen Armee kam, wie ausländische Saboteure ihr Leben in Gefahr brachten, und wie die entschlossene Suche nach Wissen sie in die tiefsten Schluchten des Labyrinths der Draken führte, wo das Verhalten eines Drachens durch Zufall die Voraussetzungen für ihre bisher größte Errungenschaft schuf.

Review:

Marie Brennan macht im vierten Band ihrer Lady-Trent-Reihe etwas, das erstaunlich vielen Serien gegen Ende nicht mehr gelingt: Sie wird besser. „Im Labyrinth der Draken“ wirkt nicht wie der übliche vierte Aufguss einer erfolgreichen Idee, sondern wie der Moment, in dem zahlreiche zuvor gelegte Fäden endlich zusammenlaufen. Isabella Camherst ist längst keine schrullige Drachenforscherin mehr, die zufällig in Abenteuer stolpert. Sie ist eine Wissenschaftlerin mit Ruf, Feinden und Konsequenzen.

Besonders stark bleibt Brennans Kunststück, Drachen nicht als magische Dekoration zu behandeln, sondern als Forschungsobjekte. Verhalten, Fortpflanzung, Lebensräume und Anpassungen werden mit einer Ernsthaftigkeit beschrieben, als könne man im nächsten Semester tatsächlich „Vergleichende Drakologie“ belegen. Gerade deshalb funktioniert diese Welt so gut. Ihre Wunder entstehen nicht aus Zauberei, sondern aus Beobachtung, Neugier und Erkenntnis. Der neue Schauplatz, die Wüste von Akhien, liefert dafür eine herrlich lebensfeindliche Kulisse.

Und Isabella? Die ist inzwischen endgültig das eigentliche Ereignis dieser Bücher. Ihre Hartnäckigkeit, ihr trockener Humor und ihre beinahe unvernünftige Hingabe an wissenschaftliche Erkenntnis machen sie zu einer jener Figuren, denen man auch beim Katalogisieren von Drachenschuppen gerne zuschauen würde. Dass sie sich gleichzeitig permanent gegen Männer behaupten muss, die ihre Kompetenz schon deshalb bezweifeln, weil sie einen Rock trägt, könnte leicht zur plakativen Botschaft geraten. Brennan ist klüger. Isabella hält keine Reden über Gleichberechtigung. Sie arbeitet einfach besser als fast alle Männer im Raum.

Auch emotional gönnt der Roman seiner Heldin endlich etwas mehr Bewegung. Die Rückkehr Suhails bringt eine Wärme in die Geschichte, die erstaunlich gut mit Isabellas notorischer Nüchternheit harmoniert. Selbst ihre romantischen Momente fühlen sich an, als könnten sie jederzeit durch eine Diskussion über Ausgrabungen oder Drachenzucht unterbrochen werden. Genau deshalb funktionieren sie. Diese Frau würde vermutlich auch einen Heiratsantrag zunächst auf wissenschaftliche Plausibilität prüfen.

Hinzu kommen neue Erkenntnisse über die Drakonier und jene Ereignisse, die Isabella schließlich von einer umstrittenen Forscherin zu der berühmten Lady Trent machen, deren Memoiren wir hier schließlich lesen. Der Roman besitzt dadurch mehr Gewicht als manche seiner Vorgänger und vermittelt erstmals deutlich das Gefühl, dass die gesamte Reihe auf ein Ziel zusteuert.

„Im Labyrinth der Draken“ ist für mich daher einer der stärksten Bände der Reihe. Abenteuer, Wissenschaft, gesellschaftliche Reibung und persönliche Entwicklung greifen hier so selbstverständlich ineinander, dass man beinahe vergisst, wie kunstvoll Brennan dieses Gebilde konstruiert hat. Und wenn ein Fantasyroman es schafft, dass ich mir nach mehreren hundert Seiten denke, eine wissenschaftliche Abhandlung über die Paarungsgewohnheiten fiktiver Wüstendrachen wäre jetzt eigentlich ganz interessant, dann hat die Autorin vermutlich einiges richtig gemacht.

Lady Trents Memoiren 4: Im Labyrinth der Draken von Marie Brennan Lady Trents Memoiren 4: Im Labyrinth der Draken von Marie Brennan Reviewed by Darkybald on Samstag, Oktober 10, 2026 Rating: 5

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