Slow Gods von Claire North
Slow Gods von Claire North
Langsame Götter, noch langsamere Handlung
Inhalt:
Finalist for the Locus Award for Best Science Fiction Novel! Best of the Year at Gizmodo, Library Journal, and more! "An astonishing, thought-provoking and above all touching story of found meaning and lost humanity.” —Adrian Tchaikovsky, Arthur C. Clarke Award-winning author of Children of TimeSlow Gods is the galaxy-spanning tale of one man's impossible life charted against the fate of humanity amongst the stars—a powerfully imaginative space opera from multi-award-winning author Claire North, perfect for fans of A Memory Called Empire and The Vanished Birds.My name is Mawukana na-Vdnaze, and I am a very poor copy of myself. In telling my story, there are certain things I should perhaps lie about. I should make myself a hero. Pretend I was not used by strangers and gods, did not leave people behind. Here is one truth: out there in deep space, in the pilot's chair, I died. And then, I was reborn. I became something not quite human, something that could speak to the infinite dark. And I vowed to become the scourge of the world that wronged me. This is the story of the supernova event that burned planets and felled civilizations. This is also the story of the many lives I've lived since I died for the first time. Are you listening?
Review:
Claire North hat mit Slow Gods einen Roman geschrieben, der eindrucksvoll demonstriert, dass man selbst den Tod ganzer Sternensysteme in eine bürokratische Pflichtveranstaltung verwandeln kann. Selten habe ich ein Buch gelesen, das mit einer derart gewaltigen Prämisse antritt und anschließend alles daransetzt, jede Form von Spannung, Dramatik oder erzählerischem Leben systematisch zu ersticken.
Dabei beginnt die Geschichte durchaus vielversprechend. Ein Pilot stirbt und existiert trotzdem weiter. Eine rätselhafte kosmische Macht warnt vor einer Supernova, die zahllose Welten vernichten wird. Milliarden Leben stehen auf dem Spiel. Das klingt nach den Zutaten für große Science-Fiction. Doch statt daraus einen Roman zu machen, serviert North eine philosophische Dauerbesprechung über Identität, Erinnerung und Befindlichkeiten, deren literarische Dynamik ungefähr der eines Parkplatzprotokolls entspricht.
Im Zentrum steht Maw, ein Protagonist, dessen bemerkenswerteste Eigenschaft seine bemerkenswerte Abwesenheit von Eigenschaften ist. Er wandert durch die Handlung wie ein Schlafwandler durch ein Möbelhaus. Er denkt. Er grübelt. Er sinniert. Er reflektiert. Und während er all das tut, beginnt der Leser unweigerlich zu reflektieren, ob die Waschmaschine zu Hause vielleicht noch läuft.
Besonders erstaunlich ist die Beharrlichkeit, mit der dieser Roman jede interessante Entwicklung sabotiert. Kaum taucht ein Mysterium auf, wird es beiseitegeschoben. Kaum entsteht ein emotionaler Moment, folgt ein philosophischer Exkurs. Kaum glaubt man, die Handlung nehme Fahrt auf, wird sie wieder auf Schrittgeschwindigkeit heruntergebremst. Man hat das Gefühl, ein Buch zu lesen, das sich für seine eigene Geschichte nicht im Geringsten interessiert.
Und dann wären da noch die Pronomen.
Science-Fiction lebt davon, neue Gesellschaften zu entwerfen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber North verwechselt hier Weltgestaltung mit sprachlichem Hindernislauf. Auf den Seiten tummeln sich Pronomen, die aussehen, als hätte jemand beim Reinigen der Tastatur versehentlich einen Entwurf gespeichert. Xe, Ze, Te, Qe und vermutlich noch einige weitere Buchstabenkombinationen, die klingen wie fehlgeschlagene WLAN-Passwörter.
Das Problem ist nicht einmal ihre Existenz. Das Problem ist ihre völlige Bedeutungslosigkeit. Sie machen die Figuren nicht interessanter. Sie vertiefen die Welt nicht. Sie erzeugen keine neuen Gedanken. Sie erschweren lediglich den Lesefluss und erinnern den Leser alle paar Absätze daran, dass hier jemand sehr dringend beweisen möchte, wie progressiv und komplex diese Zukunft ist.
Besonders unerquicklich wird es dort, wo der Roman den Eindruck vermittelt, dieses System sei von enormer Bedeutung, während gleichzeitig niemand erklären kann, warum. Die Figuren bewegen sich darin mit der Selbstverständlichkeit von Muttersprachlern, der Leser hingegen steht daneben wie ein Tourist, dem man eine Speisekarte in Hieroglyphen gereicht hat und anschließend vorwirft, nicht genügend Interesse an der lokalen Kultur zu zeigen.
Das eigentlich Ärgerliche an Slow Gods ist jedoch, dass man das Talent dahinter jederzeit erkennt. North kann schreiben. North kann Ideen entwickeln. North besitzt Intelligenz und Ambition. Doch all diese Qualitäten wirken hier wie ein Hochleistungsmotor in einem Fahrzeug, dessen Handbremse nie gelöst wurde.
Am Ende hinterließ das Buch bei mir den Eindruck eines Romans, der verzweifelt tiefgründig wirken möchte und dabei vergisst, dass Literatur mehr sein muss als eine Ansammlung kluger Gedanken. Eine Geschichte braucht Figuren, die leben. Konflikte, die berühren. Ereignisse, die Bedeutung entfalten. Slow Gods bietet stattdessen philosophischen Nebel, literarische Selbstverliebtheit und eine Hauptfigur mit dem Charisma einer ungeöffneten Packung Zwieback.
Wenn eine Supernova tatsächlich ganze Zivilisationen auslöschen kann, dann hat sie zumindest einen Vorteil gegenüber diesem Roman: Sie wäre deutlich schneller vorbei.













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