A Stage set for Villains von Shannon J. Spann
A Stage set for Villains von Shannon J. Spann
Großes Theater, wacklige Kulissen
Inhalt:
Die Götter sind tot. Übrig bleiben nur das Schauspielhaus ... und seine unsterblichen Spieler.Bösartig, gottgleich und tödlich zugleich sind die sogenannten Spieler, die mit ihren im Wortsinne „bezaubernden“ Shows Herzen, Gedanken und sogar die Realität selbst beeinflussen können. In der Stadt Theatron werden sie ebenso verehrt wie gefürchtet. Die achtzehnjährige Riven kennt die Gefahren besser als alle anderen, nachdem ihre Begegnung mit einem Spieler zu einem Fluch geführt hat, der sie langsam tötet.Als das Schauspielhaus ein einmaliges Spektakel ankündigt – ein Casting, in dem Sterbliche die Chance erhalten, einem Spieler die Unsterblichkeit zu rauben –, sieht Riven darin ihre letzte Chance zu überleben. Sie trifft dort auf Jude, den brillanten und gnadenlosen Ersten Spieler des Theaters, dessen Charme ebenso gefährlich ist wie seine Schauspielkunst. Um ihr Leben zu retten, schließt sie einen tödlichen Pakt mit ihm, der Wahrheit und Illusion verschwimmen lässt … Und plötzlich ist sie sich nicht mehr sicher, wer die Rolle des Helden und wer den Bösewicht spielt.»Düstere Fantasy vom Feinsten. Shannon Spann entführt uns in eine Welt, in der Götter nach Applaus gieren, Sterbliche für die Liebe bluten und jede Wahrheit wie ein Fluch erscheint. Ich war völlig fasziniert.« Jennifer L. Armentrout, Nr. 1-»New York Times«-Bestsellerautorin
Review:
Schon der Einfall ist besser als vieles, was derzeit unter dem Etikett Romantasy durch die Buchhandlungen geistert: Eine magische Wanderbühne, deren Darsteller nicht bloß Rollen spielen, sondern von ihnen vereinnahmt werden. Kostüme verändern Identitäten, Geschichten schreiben Wirklichkeit um, und niemand kann sicher sein, ob er gerade handelt oder längst nach einem fremden Text funktioniert. Shannon Spann baut sich mit „A Stage Set for Villains“ kein weiteres Schloss voller Schattenprinzen, sondern gleich ein eigenes Theater. Leider hat sie hinter den prachtvollen Kulissen gelegentlich vergessen, die Statik zu prüfen.
Riven trägt seit ihrer Kindheit einen Fluch. Um ihn zu brechen, schleicht sie sich in das geheimnisvolle Schauspielhaus ein, einen Ort zwischen Bühne, Falle und lebendig gewordenem Märchenbuch. Dort muss sie an einem tödlichen Spiel teilnehmen und trifft auf Jude, den ebenso grausamen wie charmanten "erster Spieler".
Die formale Gestaltung hat mir ausgesprochen gut gefallen. Der Roman ist in Akte gegliedert, Dialoge erscheinen wie in einem Theaterstück, Regieanweisungen ersetzen klassische Erzählkonventionen. Das ist nicht bloß hübsche Typografie, sondern eine kluge Verbindung von Form und Inhalt. Man liest nicht nur von einer Inszenierung, man sitzt beinahe selbst im Zuschauerraum. Figuren treten ins Licht, liefern ihre Pointe und verschwinden wieder in den Kulissen. Allein dafür verdient dieses Debüt Aufmerksamkeit.
Auch sprachlich ist Spann erfreulich sicher. Ihre Dialoge besitzen Tempo, die Nebenfiguren Witz, und die Atmosphäre schillert dunkel genug, um über manche dramaturgische Schwäche hinwegzutäuschen. Der Roman lebt von seinem Ton, seinem Bühnenzauber und seinem Schlagabtausch. Das ist viel. Nur eben noch keine vollständig überzeugende Geschichte.
Besonders Jude funktioniert. Er ist kein weiterer schweigsamer Dunkelmann mit maßgeschneidertem Drohblick und jener emotionalen Verstopfung, die im Genre gern mit Tiefe verwechselt wird. Jude ist Spieler, Spötter und charmant unzuverlässiger Bühnenpartner. Sobald er auftritt, gewinnt das Buch an Leichtigkeit. Seine Wortgefechte mit Riven gehören zu den stärksten Passagen des Romans.
Als Liebesgeschichte hat mich das allerdings weniger überzeugt. Das Buch behauptet zwischen Riven und Jude eine große Verbindung, bevor es sie wirklich entwickelt. Ihre Nähe entsteht häufig, weil die Dramaturgie sie an dieser Stelle benötigt. Gerade in einer Geschichte über Rollen, Spieler und fremdbestimmte Gefühle wäre das eine faszinierende Frage: Lieben sich diese beiden Menschen, lieben sich ihre Figuren oder spielen sie lediglich eine Romanze, weil das Skript sie verlangt? Leider ist die Frage spannender als die Antwort.
Mit Riven hatte ich noch größere Schwierigkeiten. Über weite Strecken trifft sie Entscheidungen, die nicht mutig, sondern schlicht lebensmüde wirken. Sie ignoriert Warnungen, vertraut den falschen Personen und entwirft Pläne, denen bereits das Wort Planung schmeichelt. Ich habe mich mehrfach gefragt, ob ihre Strategie darin besteht, jede erkennbare Falle persönlich auf ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen.
Der späte Twist erklärt einiges davon und zwingt dazu, Riven neu zu bewerten. Das ist geschickt. Spann beherrscht den dramatischen Enthüllungsmoment und weiß, wann sich eine Falltür öffnen muss. Trotzdem heilt die nachträgliche Erklärung nicht jede vorherige Frustration. Eine Hauptfigur über Hunderte Seiten absichtlich törichter erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich ist, bleibt ein riskanter Kunstgriff. Der Roman gewinnt dadurch rückwirkend an Raffinesse, aber nicht automatisch an Eleganz.
Mein größtes Problem war jedoch das Magiesystem. Die Verbindung aus Geschichten, Liedern, Kostümen und Spielern klingt faszinierend, bleibt aber erstaunlich unscharf. Wo endet Riven und wo beginnt ihre Rolle? Welche Macht besitzt das Kostüm? Was kann das Schauspielhaus tatsächlich verändern? Welche Konsequenzen sind endgültig? Der Roman präsentiert eindrucksvolle Effekte, verweigert aber häufig die Regeln dahinter. So entsteht zwar Staunen, aber nicht immer Spannung. Gefahr funktioniert schließlich besser, wenn man versteht, was genau auf dem Spiel steht.
Auch der Umfang hätte strenger kontrolliert werden dürfen. Mehr als sechshundert Seiten sind viel Raum für einen Roman, der seine Welt gleichzeitig so auskunftsscheu behandelt. Vor allem im Mittelteil werden Geheimnisse angedeutet, Bündnisse verschoben und neue Bedrohungen aufgebaut, ohne dass die Handlung wirklich vorankommt. Das Buch möchte rätselhaft sein und wird dabei gelegentlich bloß unübersichtlich. Im letzten Viertel drängen dann Enthüllungen, Wendungen und Erklärungen auf die Bühne, bis die Kulissen hörbar zu knarren beginnen.
Trotzdem habe ich „A Stage Set for Villains“ gern gelesen. Nicht immer wegen der Handlung, häufig eher wegen des Tons, der Atmosphäre und des formalen Einfallsreichtums. Das Buch weiß, wie man einen Auftritt inszeniert. Es trägt prachtvolle Kostüme, spricht gute Dialoge und wirft eindrucksvolle Schatten. Nur wenn das Licht angeht, erkennt man, dass manche Wände lediglich bemalte Pappe sind.
Als Debüt ist das dennoch bemerkenswert. Shannon Spann besitzt Fantasie, Mut und ein Gespür für starke Bilder. Was ihr noch fehlt, ist erzählerische Disziplin. Sie müsste ihren Ideen weniger Raum zum Herumstreunen und mehr Struktur geben. Dann könnte aus diesem faszinierenden Bühnenzauber tatsächlich großes Theater werden.
Für mich ist „A Stage Set for Villains“ ein origineller, atmosphärischer und unterhaltsamer erster Akt, der seine besten Ideen nicht vollständig beherrscht. Ich habe gestaunt, gelacht und mich gelegentlich gefragt, ob ich gerade ein Rätsel nicht verstehe oder ob der Roman selbst die Antwort vergessen hat.
3,5 von 5 Sternen













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