Die Reise der Basilisk von Marie Brennan

Die Reise der Basilisk von Marie Brennan

Die Reise der Basilisk
Erscheinungsjahr: 2018
Seiten: 330
Verlag: Cross Cult
Sprache: Deutsch
Originaltitel: The Voyage of the Basilisk
ISBN-10: 395981660X
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Drachen, Darwin und eine gehörige Portion Größenwahn

Bewertung: 8/10 ⭐

Inhalt:

Die spannenden Abenteuer von Lady Trent werden in Marie Brennans „Die Reise der Basilisk“ fortgesetzt … Treue Leser der ersten Bände von Lady Trents Memoiren, „Die Naturgeschichte der Drachen“ und „Der Wendekreis der Schlangen“, glauben vielleicht, dass sie bereits mit den Details ihrer historischen Reise an Bord des Königlichen Forschungsschiffs Basilisk vertraut sind, doch die wahre Geschichte dieser bahnbrechenden, nervenaufreibenden und skandalösen Seereise wurde nie enthüllt – bis jetzt. Sechs Jahre nach ihren riskanten Aktionen in Eriga bricht Isabella zu ihrer bisher ehrgeizigsten Expedition auf: einer zwei Jahre langen Reise um die Welt, um Drachen an jedem Ort zu erforschen, wo man sie finden kann. Von gefiederten Echsen, die sich in den Ruinen einer vernichteten Zivilisation sonnen, bis zu den riesigen Seeschlangen der Tropen stellen diese Kreaturen eine Quelle sowohl endloser Faszination als auch häufiger Lebensgefahr dar. Begleitet wird Isabella nicht nur von ihrem jungen Sohn Jake, sondern auch von einem ritterlichen ausländischen Archäologen, dessen Interessen sich im professionellen und persönlichen Bereich mit denen von Isabella überschneiden. Die Forschung ist natürlich der Hauptzweck dieser Reise, aber Isabellas Leben ist selten so simpel. Sie muss mit Stürmen, sinkenden Schiffen, Intrigen und Kriegen zurechtkommen, gerade als sie eine Entdeckung macht, die eine revolutionäre neue Sichtweise auf die uralte Geschichte der Drachen eröffnet.

Review:

„Die Reise der Basilisk“ ist für mich bislang der Band, in dem Marie Brennan endlich ganz bei ihrer eigentlichen Stärke angekommen ist. Andere Autoren lassen ihre Drachen Feuer speien, Königreiche vernichten und Jungfrauen verschleppen. Brennan lässt sie sezieren. Und erstaunlicherweise ist das sehr viel interessanter.

Isabella Camherst reist diesmal zwei Jahre lang auf der Basilisk um die Welt, um Drachen zu beobachten, zu vermessen und möglichst zu verstehen. Das klingt ein wenig nach Charles Darwin mit Schuppen und Flügeln, und genau deshalb funktioniert dieser Roman für mich so gut. Brennan behandelt ihre Drachen nicht wie magische Requisiten, sondern wie Tiere. Sie besitzen Lebensräume, Verhaltensweisen und biologische Eigenheiten. Ich ertappte mich mehrfach dabei, wissenschaftliche Diskussionen über vollständig erfundene Spezies mit größerem Interesse zu lesen als so manchen Kampf in anderer Fantasy.

Leider bedeutet Forschungsreise nicht automatisch Spannung. Besonders in der ersten Hälfte schippert der Roman gelegentlich genauso gemächlich dahin wie die Basilisk selbst. Hier ein Hafen, dort eine neue Drachenart, anschließend noch ein kleiner ethnografischer Exkurs. Das ist alles angenehm zu lesen, aber dramaturgisch ungefähr so stürmisch wie ein Gartenteich. Erst später gewinnt die Geschichte deutlich an Fahrt.

Dass mich das erstaunlich wenig gestört hat, liegt vor allem an Isabella. Ich mag diese Frau inzwischen sehr. Nicht, weil sie besonders vernünftig wäre. Ganz im Gegenteil. Sie besitzt weiterhin das bemerkenswerte Talent, wissenschaftliche Neugier mit mangelndem Selbsterhaltungstrieb zu verwechseln. Aber genau darin liegt ihr Charme. Noch wichtiger ist, dass Brennan sie tatsächlich lernen lässt. Isabella irrt sich, zieht Schlüsse daraus und wird eine bessere Forscherin, ohne plötzlich zu einer anderen Figur zu werden.

Besonders gelungen fand ich ihre Beziehung zu ihrem Sohn Jake. Isabella wird hier nicht nachträglich zur vorbildlichen Mutter umgeschrieben. Sie bleibt eine Frau, deren Leidenschaft der Wissenschaft gilt und die mit Mutterschaft lange gefremdelt hat. Gerade deshalb wirken die gemeinsamen Momente glaubwürdig. Sie beginnt ihren Sohn nicht deshalb zu verstehen, weil irgendein sentimentaler Mutterinstinkt erwacht, sondern weil sie erkennt, dass Jake denselben Hunger nach Entdeckung besitzt wie sie selbst. Das ist viel schöner als jede kitschige Versöhnungsszene.

Auch Suhail gefällt mir ausgesprochen gut. Ein Archäologe, der Isabellas intellektuellen Enthusiasmus nicht nur erträgt, sondern erwidert, ist vermutlich ohnehin die einzig denkbare romantische Herausforderung für diese Frau. Ihre Annäherung bleibt erfreulich beiläufig und funktioniert gerade deshalb.

Ganz wohl fühle ich mich mit Brennans Welt allerdings weiterhin nicht. Der koloniale Blick lässt sich nicht einfach dadurch beseitigen, dass Isabella fremde Kulturen respektvoller behandelt als früher. Expedition, Forschung und imperialer Machtanspruch liegen manchmal unangenehm dicht beieinander. Der Roman reflektiert das teilweise, aber nicht immer konsequent genug. Gerade weil Brennan ansonsten so aufmerksam über Wissenschaft und gesellschaftliche Normen schreibt, fällt mir diese Blindstelle umso stärker auf.

Trotzdem ist „Die Reise der Basilisk“ für mich bisher wahrscheinlich der interessanteste Band der Reihe. Vielleicht nicht der spannendste, ganz sicher nicht der straffste, aber derjenige, bei dem ich am deutlichsten verstanden habe, warum ich diese Bücher so gern lese. Ich brauche hier keine Drachen, die Städte niederbrennen. Gebt mir Isabella Camherst mit Notizbuch, fragwürdiger Risikoeinschätzung und einer neuen Spezies vor der Nase.

Das reicht vollkommen.

Die Reise der Basilisk von Marie Brennan Die Reise der Basilisk von Marie Brennan Reviewed by Darkybald on Sonntag, August 16, 2026 Rating: 5

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