Voidverse von Damien Ober

Voidverse von Damien Ober

Voidverse
Erscheinungsjahr: 2026
Seiten: 432
Verlag: Heyne Verlag
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Voidverse
ISBN-10: 3453323718
Kaufen: Amazon.de

Der Abgrund ist tief, die Figuren bleiben flach

Bewertung: 6/10 ⭐

Inhalt:

Bildgewaltig und mit erzählerischer Wucht – Damian Ober schreibt die Geschichte der Science-Fiction neu. Mit Farbschnitt in limitierter Erstauflage. Lieferung je nach Verfügbarkeit.In einem Kosmos ohne Sonnen oder Planeten lebt die Menschheit zerstreut auf schwebenden Felsinseln. Jeder Felsen in der Leere ist eine Welt für sich, und jeder Mensch versucht, im Luftstrom zwischen den Inseln weiter hinaufzukommen, einem sagenumwobenen Zentrum entgegen. Bis eines Tages eine Frau auftaucht, die in umgekehrter Richtung unterwegs ist – eine Sinkende. Ihr Ziel: das Konstrukt, eine riesige Maschine, die ganze Felsinseln und alles darauf Lebende zerstört – und die diese Frau aufhalten will. Doch ihre Zeit wird knapp …

Review:

Damien Ober hat mit „Voidverse“ eine jener Ideen gehabt, bei denen man sich fragt, warum noch niemand früher darauf gekommen ist. Menschen leben auf vereinzelten Felsbrocken, die durch einen endlosen Abgrund stürzen. Wer andere Welten erreichen will, muss sich fallen lassen. Aufstieg gilt als Tugend, Sinken als Tabu. Das ist so schlicht wie brillant und origineller als vieles, was derzeit unter Science Fiction firmiert.

Ich habe diesen Roman deshalb zunächst vor allem bewundert. Ober entwirft keinen gewöhnlichen Weltraum mit neuen Begriffen, sondern eine eigene, eigensinnige Kosmologie. Zeit wird in Atemzügen und Ruhephasen gemessen, jede Felswelt besitzt eigene Gesetze, Bräuche und Überlebensstrategien. Manche sind landwirtschaftliche Gemeinschaften, andere erinnern an Gladiatorenreiche. Über allem schwebt der Construct, eine monströse mechanische Welt, die andere Felsen verschlingt und verwertet. Eine imperiale Müllpresse als Endgegner: nicht subtil, aber eindrucksvoll.

Nur leider sind die Welten lebendiger als ihre Bewohner. Die Sinker, eine schweigsame und kampferprobte Wanderin, besitzt zwar Haltung, Vergangenheit und Schwert, bleibt für mich aber lange eine wirkungsvolle Silhouette. Auch große Verluste hinterlassen erstaunlich wenig emotionale Spuren. Menschen sterben, Kulturen verschwinden, Welten werden vernichtet, und dennoch fühlte ich mich oft eher wie ein interessierter Besichtigungstourist als wie ein erschütterter Leser.

Das ist das Grundproblem von „Voidverse“: Ober kann hervorragend Räume erfinden, aber nicht immer Menschen, die sie glaubwürdig bewohnen. Seine Figuren erfüllen ihre Aufgaben, doch nur selten entwickeln sie jene innere Widersprüchlichkeit, aus der literarische Nähe entsteht. Ich wollte wissen, was hinter dem nächsten Felsen wartet. Was in den Figuren vorging, interessierte mich deutlich weniger.

Auch die Sprache macht es einem nicht immer leicht. Manche Sätze stürzen seitenlang durch den Text, andere zerbrechen in kurzen, hektischen Fragmenten. Das kann den rauschhaften Fall durch den Void erstaunlich gut vermitteln. Gelegentlich wirkt es allerdings auch, als habe die Prosa selbst den Halt verloren. Hinzu kommt eine beachtliche Menge erfundener Begriffe. Ein Glossar wäre hier keine Kapitulation vor dem Leser gewesen, sondern ein Akt der Barmherzigkeit.

Nach einem langsamen Beginn gewinnt die Handlung spürbar an Tempo. Dann entwickelt der Roman tatsächlich einen Sog, der seinem Titel gerecht wird. Das Ende fällt jedoch erstaunlich glatt aus und lässt gleichzeitig genügend Fragen unbeantwortet, um den nächsten Band vorzubereiten. Erst spät zu erkennen, dass man den Auftakt einer Reihe liest, ist ungefähr so erfreulich, wie kurz vor der Landung zu erfahren, dass das Flugzeug keinen Flughafen ansteuert.

„Voidverse“ ist für mich ein faszinierender, aber unausgewogener Roman. Seine Welt ist mutig, fremdartig und voller Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Seine Figuren sind es weniger. Ich habe dieses Buch häufiger bestaunt als geliebt. Der Abgrund besitzt Tiefe. Den Menschen darin hätte etwas mehr davon gutgetan.

Voidverse von Damien Ober Voidverse von Damien Ober Reviewed by Darkybald on Montag, August 17, 2026 Rating: 5

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