Täuschungsmanöver von Tom Clancy, Mike Maden
Täuschungsmanöver von Tom Clancy, Mike Maden
Thriller oder politisches Essay? Ein Roman im Spagat
Inhalt:
Jack Ryan Jr. hat sich geschworen, den Mörder einer alten Freundin ausfindig zu machen – doch dieser Fall ist eine Nummer größer als gedacht
Jack Ryan Jr. wird in Barcelona Zeuge eines Selbstmordattentats. Unter den Opfern befindet sich auch seine alte Freundin Renée, die mit dem CIA zusammengearbeitet hat. Kurz bevor sie in Jacks Armen stirbt, flüstert sie ihm noch ein einziges Wort zu: »Sammler«.
Der spanische Geheimdienst vermutet eine katalanische Terrorgruppe hinter dem Anschlag, doch Jack Ryan Jr. hat seine Zweifel an dieser Theorie. Er stellt eigene Ermittlungen an und findet heraus, dass Renée in Kontakt mit einem amerikanischen Datenwissenschaftler stand, der an einem streng geheimen Regierungsprogramm gearbeitet hat, Codename RAPTURE. Aber in welcher Verbindung steht das Programm mit dem Attentat? Jack Ryan Jr. bleibt nicht viel Zeit, denn seine Nachforschungen haben Aufmerksamkeit erregt – und er muss aufpassen, nicht vom Jäger zum Gejagten zu werden.
Review:
Kaum ein Setting eignet sich so gut für einen Agententhriller wie eine Stadt, die vor Geschichte, Konflikten und mediterraner Sinnlichkeit vibriert. Barcelona ist dafür ein Geschenk an jeden Autor – und zugleich eine Herausforderung. In Täuschungsmanöver stürzt sich Mike Maden mit sichtbarer Begeisterung in diese Kulisse und schickt Jack Ryan Jr. auf einen Weg, der zwischen persönlicher Tragödie, politischer Brisanz und altbekanntem Serienpathos mäandert. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher wird, wie schmal der Grat ist zwischen atmosphärischer Dichte und erzählerischer Überfrachtung.
Mike Maden lässt Jack Ryan Jr. in Barcelona vom lässigen Urlauber zum missionarisch motivierten Einzelkämpfer mutieren, nachdem eine alte Studienfreundin vor seinen Augen in einem Bombenanschlag stirbt. Was zunächst wie der Auftakt zu einem kompakten Verschwörungsthriller klingt, öffnet sich bald zu einem politisch aufgeladenen Erzählraum, in dem die katalanische Unabhängigkeitsfrage ausführlicher behandelt wird als manch realpolitische Analyse. Man spürt, wie sehr der Autor sich für die historischen und gegenwärtigen Spannungen interessiert. Nur wird dieses Interesse gelegentlich zum Hemmschuh: Die Handlung schlendert durch kulturelle Exkurse, statt die Spannung entschlossen voranzutreiben. Das wäre nicht einmal ein Makel, hätte Maden den Mut zu einem Roman über politische Identität und historische Brüche – doch Täuschungsmanöver will zugleich ein Clancy-Thriller bleiben, und dieser Spagat gelingt nicht immer überzeugend.
Das zweite Problem ist Jack Ryan Jr. selbst, dessen Tarnidentität als harmloser Banker seit Jahren wie ein running gag funktioniert. In einer Welt, in der Nebenfiguren über satellitengestützte biometrische Systeme verfügen, wirkt die Prämisse, niemand könne die Existenz des gleichnamigen Präsidentensohns aufdecken, doch etwas museal. Dass Jack Jr. regelmäßig allein ermittelt, obwohl er ein Backup-Team von Elite-Operatoren besitzt, gehört inzwischen zu den eher liebenswerten Marotten der Reihe – aber die Konstruktion wirkt hier besonders bemüht. Maden hat in früheren Bänden gezeigt, dass er Spannung, Technik und plausible Charakterführung verbinden kann. Umso erstaunlicher, wie häufig dieser Roman die eigene Logik unterminiert.
Trotz allem blitzt zwischendurch das auf, was die Faszination des Jack-Ryan-Universums ausmacht: die parallele Erzählung zweier Krisenstränge, der analytisch denkende Präsident Ryan, der mit kühler Präzision internationale Schieflagen sortiert, und eine Welt, die im Schatten der Machtpolitik in Flammen aufgeht. Wenn beide Ebenen sich gegen Ende zusammenfügen, erreicht der Roman tatsächlich einen Sog, der an alte Clancy-Größen erinnert. Nur endet dieser Moment so abrupt, dass man sich fragt, ob der Autor selbst überrascht war, plötzlich auf die Zielgerade einzubiegen.
Am Ende bleibt ein Roman, der unterhaltsam ist, wenn man bereit ist, seine Unzulänglichkeiten als Teil des Seriencharakters zu akzeptieren. Täuschungsmanöver ist kein Desaster, aber ein Werk, das zeigt, wie schwer es ist, ein literarisches Erbe weiterzutragen, ohne es zu verwässern. Maden liefert solide Action, atmosphärische Schauplätze und ehrliches Bemühen um historische Tiefe, doch das Ergebnis wirkt nicht wie ein präzise geführter Thriller, sondern wie ein Werk, das zu viele Interessen gleichzeitig bedienen möchte. Wer die Reihe liebt, wird die vertrauten Figuren und den Anflug von nostalgischer Clancy-DNA genießen. Wer auf der Suche nach erzählerischer Stringenz ist, dürfte die Lektüre eher als höflich enttäuschend empfinden.












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