What Lies Beyond the Veil von Harper L. Woods

What Lies Beyond the Veil von Harper L. Woods

What Lies Beyond the Veil
Erscheinungsjahr: 2026
Seiten: 416
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Sprache: Deutsch
Originaltitel: What Lies Beyond the Veil (01 OF FLESH AND BONE)
ISBN-10: 3734164508
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Viel Begierde, wenig Substanz: Wenn Dark Fantasy nur noch aus Tropen besteht

Bewertung: 3/10 ⭐

Inhalt:

»Einst haben wir die Fae wie Götter verehrt – bevor ein schrecklicher Krieg uns entzweite. Nun wollen sie sich zurückholen, was ihnen gehört – und dazu zählt auch mein Herz ...«Jahrhundertelang trennte und schützte eine magische Barriere die Welt der Menschen von Alfheimr, dem Königreich der Fae. Doch als bei einem Ritual dieser Schleier zerbirst, findet sich Estrella mit einem geheimnisvollen Mal gebrandmarkt und auf der Flucht – nicht nur vor der Wilden Jagd, die sie zu ihrem künftigen Fae-Gemahl bringen soll, sondern auch vor ihren Mitmenschen, die sie aus Angst töten wollen, bevor das passiert. Auf ihrer Reise trifft sie den attraktiven Caelum, der wie sie mit dem seltsamen Mal gekennzeichnet ist – und zu dem sie eine unbestreitbare Anziehung verspürt ...Noch mehr Spice und morally grey love interests erwarten euch in Harper L. Woods weiterer Dark-Romantasy-Reihe »Coven of Bones«!Enthaltene Tropes: Enemies to Lovers, Fated (Soul-)Mates, Forbidden Love/Romance, Forced Proximity, Morally greySpice-Level: 3 von 5

Review:

„What Lies Beyond the Veil“ ist ein Roman, der mit der literarischen Methode eines sehr erfolgreichen TikTok-Algorithmus geschrieben scheint: Man nehme eine handvoll populärer Fantasy-Tropen, tränke sie in testosterongeladener Erotik, streue ein paar düstere Fae darüber und serviere das Ganze mit maximalem Cliffhanger-Effekt. Das Problem ist nur: Ein Rezept ersetzt noch keinen Geschmack.

Dabei beginnt Harper L. Woods durchaus vielversprechend. Die ersten Kapitel besitzen jene atmosphärische Spannung, die gute Romantasy braucht. Eine Welt hinter magischen Schleiern, Menschen, die in Angst vor den Fae leben, eine junge Frau, deren Existenz von Kontrolle und Unterdrückung geprägt ist, das hat Potenzial. Man spürt die Absicht, ein düsteres Märchen für Erwachsene zu erzählen. Doch je weiter der Roman voranschreitet, desto deutlicher wird, dass hier weniger eine Geschichte entwickelt als vielmehr ein Genre bedient wird.

Der eigentliche Plot wirkt erstaunlich dünn für ein Buch dieser Länge. Figuren reisen, lagern, starren einander an, liefern sich bedeutungsschwere Wortwechsel, während die Handlung auf der Stelle tritt wie ein Pferd im Moor. Ständig wird von großen Gefahren gesprochen, doch selten entstehen daraus echte Konsequenzen. Die Spannung behauptet sich mehr, als dass sie tatsächlich existiert. Man liest nicht, weil man wissen möchte, was passiert, sondern weil das Buch permanent so tut, als würde gleich etwas passieren.

Auch die Figuren leiden unter dieser Konstruktion. Estrella besitzt anfangs durchaus Konturen: verletzlich, widerspenstig, neugierig. Doch der Roman reduziert sie zunehmend auf eine Projektionsfläche für ein sehr spezifisches Machtfantasie-Romantikmodell. Caelum wiederum ist jener inzwischen inflationär gewordene Dark-Fantasy-Held, der aussieht wie ein gefallener Gott und sich benehmen darf wie eine Mischung aus Bodyguard, Raubtier und latent toxischem Beziehungstrainer. Dominanz ersetzt Charaktertiefe. Besitzansprüche werden als Leidenschaft verkauft. Dass der Roman diese Dynamik nicht kritisch bricht, sondern als ultimative Romantik inszeniert, macht viele Szenen unerquicklich.

Hinzu kommt ein Stil, der permanent zwischen pathetischer Fantasy-Schwermut und erstaunlich modernem Teenager-Slang schwankt. Manche Dialoge wirken, als hätte jemand einen mittelalterlichen Fae-Krieg mit einer Reality-Datingshow kollidieren lassen. Besonders in den expliziten Szenen verliert der Text jede Eleganz. Erotik wird hier nicht aufgebaut, sondern mit der emotionalen Feinfühligkeit eines Vorschlaghammers exekutiert. Man merkt, wie sehr der Roman schockieren und elektrisieren möchte und wie selten er dabei tatsächlich sinnlich wird.

Interessant ist allerdings, dass das Buch trotz all seiner Schwächen einen merkwürdigen Sog entwickelt. Vielleicht liegt das an der kompromisslosen Hingabe an seine eigene Übertreibung. Vielleicht daran, dass Woods genau weiß, welche Leserfantasien sie bedienen muss. Die Mischung aus „fated mates“, düsterem Begehren und aggressiver Beschützerpose funktioniert offensichtlich wie literarisches Fast Food: wenig nahrhaft, oft unerquicklich, aber erschreckend konsumierbar.

Am Ende bleibt „What Lies Beyond the Veil“ ein Roman, der weniger durch Originalität als durch kalkulierte Wiedererkennbarkeit lebt. Wer literarische Fantasy sucht, wird hier ebenso wenig glücklich wie Leser, die psychologisch glaubwürdige Romantik erwarten. Wer jedoch möglichst viel Spannung, Spice und possessive Fae-Männer zwischen zwei Buchdeckeln haben möchte, dürfte genau bekommen, wonach gesucht wird. Man schließt dieses Buch nicht mit Bewunderung, sondern mit derselben irritierten Faszination, mit der man nachts um halb zwei eine absurd schlechte Realityshow weiterschaut.

What Lies Beyond the Veil von Harper L. Woods What Lies Beyond the Veil von Harper L. Woods Reviewed by Darkybald on Freitag, Juni 05, 2026 Rating: 5

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