The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro

The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro

The Rainshadow Orphans
Erscheinungsjahr: 2026
Seiten: 640
Verlag: Eichborn
Sprache: Deutsch
Originaltitel: The Rainshadow Orphans
ISBN-10: 3847902334
Kaufen: Amazon.de

Der Boba-Roboter im Ghibli-Kostüm: Naomi Ishiguros „Rainshadow Orphans"

Bewertung: 5/10 ⭐

Inhalt:

Mit Motiv-Farbschnitt in der ErstauflageDas Leben ist nicht leicht in Rainshadow City. Jenseits des prunkvollen Palastes herrschen Armut und Ungerechtigkeit. Die kriminelle Untergrundorganisation Lucky Crows verbreitet Angst und Schrecken. In der düsteren Metropole kämpfen die Wahlgeschwister Toshiko, Jun und Mei ums Überleben - und um Gerechtigkeit. Derweil freundet sich Haru, der Sohn der skrupellosen Kaiserin, mit magischen Sonnengeistern an. Und Theo, der wie so viele andere auf illegalem Weg nach Rainshadow City gelangt ist, wird versehentlich in kriminelle Machenschaften verstrickt.Ihre aller Schicksale werden verwoben, als Toshiko dem Anführer der Lucky Crows eine geheimnisvolle Drachenperle stiehlt und dadurch eine Reihe von Ereignissen ins Rollen bringt, die nicht nur das Leben der drei Geschwister gefährden, sondern das Schicksal von ganz Rainshadow City für immer verändern könnten.»Ein Roman voller unvergesslicher Charaktere, erzählt in einem Tempo, das süchtig macht.« Samantha Shannon, Autorin von Der Orden des geheimen Baumes

Review:

Wer ein Buch mit dem Versprechen bewirbt, es atme den Geist von Studio Ghibli, Pokémon und Akira zugleich, hat entweder ein literarisches Wunderwerk geschaffen oder schlicht keine Ahnung, wovon diese drei Referenzen eigentlich handeln. Naomi Ishiguros „Rainshadow Orphans", Auftakt einer geplanten Trilogie, gehört leider in die zweite Kategorie. Auf 640 Seiten entfaltet sich hier eine Geschichte, die sich mit dem Mut eines Buffets an jedem Genre-Tablett bedient, Fantasy, Science-Fiction, Gesellschaftskritik, Coming-of-Age, und am Ende doch nur einen überladenen Teller serviert, auf dem nichts richtig satt macht.
Die Grundidee hat Charme. Eine Inselwelt zwischen Wolkenkratzern und Zauberwesen, Sonnengeister neben Serviceroboter, ein Kaiserreich, das seine Ärmsten in ein Elendsviertel namens Halbmond verbannt, während die Reichen sich hinter Palastgärten verschanzen. Fünf junge Protagonisten, darunter drei verwaiste Geschwister und ein zehnjähriger Kronprinz, sollen dieses Panorama aus wechselnden Perspektiven zum Leben erwecken. Und tatsächlich gelingen Ishiguro einzelne Momente von echter Wärme, vor allem dort, wo sie den Prinzen Haru und seine Gabe, die Sonnengeister zu sehen, in den Mittelpunkt rückt. Da blitzt für Absätze auf, was der Klappentext verspricht: jene träumerische, leicht melancholische Zärtlichkeit, die man aus japanischen Animationsfilmen kennt.
Nur währt dieser Zauber selten lange. Ishiguro leidet an einer Krankheit, die halbe Verlagslektorate offenbar für heilbar halten: dem Zwang, jede Figur, jeden Gegenstand, jede Nebensächlichkeit mit einer ausführlichen Vorgeschichte zu unterfüttern, bevor die Handlung überhaupt Fahrt aufnehmen darf. Das Ergebnis ist ein Buch, das binnen 48 fiktiver Stunden spielt und sich dafür 640 reale Seiten Zeit lässt, ein Missverhältnis, das selbst geduldige Leser irgendwann zur Verzweiflung treibt. Die politischen Themen, Vertreibung, Ausbeutung migrantischer Arbeitskräfte, autoritäre Willkür, sind alle vorhanden und alle richtig gewählt, werden aber mit der Subtilität eines Vorschulhammers verhandelt. Die Bösewichte tragen ihre Boshaftigkeit wie einen Zwirbelbart vor sich her, und der Gedanke, ein Zehnjähriger könne ernsthaft ein Reich anführen, verlangt dem Text eine Glaubwürdigkeit ab, die er sich nicht verdient hat.
Am Ende bleibt ein Buch, das genau zwischen den Stühlen sitzt, auf denen es sich eigentlich hätte niederlassen wollen. Für erwachsene Leser zu betulich erzählt, für junge Leser zu behäbig ausgebremst, für eine Trilogie mit Ambitionen zu unfokussiert in der Fülle ihrer eigenen Einfälle. Der bubbleteebrauende Roboter, den Ishiguro ihren Figuren als running gag mitgibt, wird so unfreiwillig zum Sinnbild des ganzen Unternehmens: ein hübsches Detail, technisch aufwendig konstruiert, aber letztlich ohne echten Zweck für das große Ganze. Wer sich mit angenehmer Ghibli-Nostalgie berieseln lassen will und über erzählerische Längen hinwegsehen kann, wird hier durchaus Trost finden. Wer aber die versprochene erwachsene Wucht sucht, sollte lieber gleich zu den Originalen greifen, die diesen Vergleich tatsächlich verdienen.

The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro Reviewed by Darkybald on Donnerstag, Juli 09, 2026 Rating: 5

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